Zur Ausgabe
Artikel 52 / 65
Ulrike Knöfel

Skandal im Humboldt Forum Schikane, Einschüchterung, Kloverbot

Kurz vor der Eröffnung des Humboldt Forums berichteten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus dem Besucherservice vom untragbaren Betriebsklima. Was folgte daraus?
aus DER SPIEGEL 1/2022
Das Berliner Schloss, Heimat des Humboldt Forums, mit Schlossbrücke und Fernsehturm

Das Berliner Schloss, Heimat des Humboldt Forums, mit Schlossbrücke und Fernsehturm

Foto: Fotoatelier Berlin / imagebroker / imago images

Lange vor der Einweihung war das Humboldt Forum im neuen Stadtschloss in Verruf geraten, vor allem wegen des Plans, koloniale Raubkunst auszustellen. Kurz vor der Öffnung fürs Publikum kam ein weiterer Skandal hinzu. So enthüllten der SPIEGEL und das ZDF-Polit­magazin »Frontal 21« nach gemeinsamen Recherchen im Mai 2021, dass sich viele Mitarbeiter des Besucherservice schikaniert fühlten. Sie berichteten sogar von dem Verbot, während der Arbeitszeit die Toilette aufzu­suchen.

Die Verantwortlichen dementierten etliche Vorwürfe und gaben trotz filmischer Beweise auch nur teilweise und vage zu, dass Führungskräfte gegen Regeln zum Schutz vor Corona verstoßen hätten. Nicht dementieren ließ sich eine schwarze Liste, die beiden Redaktionen vorlag. Ihr zufolge galten Mitarbeiter als problematisch, wenn sie sich angeblich einen Betriebsrat wünschten, »sozial eingestellt« waren oder Rassismus beanstandeten. Ebenso wurde vermerkt, ob jemand eine Psychotherapie in Anspruch nahm.

Auffällig vielen wurde gekündigt, oder sie kündigten von sich aus. Zwar kritisierte dann sogar die damalige und für das Forum mitverantwortliche Regierung die Zustände, nur blieb das ziemlich folgenlos. Die Geschäftsführerin der zustän­digen Tochtergesellschaft wurde freigestellt – doch ihre zweite Tätigkeit bei der übergeordneten Stiftung Humboldt Forum blieb unberührt. Außerdem gab es weitere Kündigungen, ebenso neue Vorwürfe von Mitarbeitern, darunter der einer körper­lichen Einschüchterung durch Führungskräfte.

Das Humboldt Forum bestätigte »einen Vorgang«, beschuldigte aber die beschäftigte Person. Was für ein Heuchel-Forum.

Zur Ausgabe
Artikel 52 / 65
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.