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»Ich bin halt ein galanter Typ«

Filmstar Bruce Willis über Action, Geister und »Sixth Sense«
Von Marc Fischer
aus DER SPIEGEL 52/1999

SPIEGEL: Mr. Willis, ist es wahr, dass Sie keine Lust mehr auf die Sorte von Actionfilmen haben, mit denen Sie berühmt geworden sind, und in Zukunft nur noch in Charakterrollen und Komödien auftreten wollen?

Willis: Das ist richtig.

SPIEGEL: Was haben Sie gegen Actionfilme?

Willis: Prinzipiell nichts. Bis heute bin ich überzeugt, dass »Stirb langsam« ein guter Film ist, ich verleugne also nichts. Das Problem ist nur, dass diese Art Actionfilm inzwischen tausendfach kopiert wurde. Der durchschnittliche Actionfilm von heute ist lang, lang, langweilig.

SPIEGEL: Warum finden Sie es plötzlich langweilig, mit einer Pistole wild um sich zu schießen?

Willis: Wenn Sie wie ich Millionen Statisten gekillt haben, verliert es seinen Reiz. Es ist so wie eine Achterbahnfahrt, die man schon tausendmal gemacht hat - es gibt keine Überraschungen mehr. Mein neuer Film ist dagegen eher eine Art Geisterbahn.

SPIEGEL: Was muss mit der Achterbahn passieren, damit sie wieder spannend wird?

Willis: Sie braucht neue Schienen, Wagen, Kurven. Gute Geschichten, gute Schauspieler, gute Regisseure.

SPIEGEL: Wen würden Sie als Nachfolger in der Rolle des Kämpfers mit der Waffe akzeptieren?

Willis: George Clooney! Er ist gleichzeitig hart und smart. So wie ich (lacht).

SPIEGEL: Nehmen wir an, Sie drehen einen Film mit Leonardo DiCaprio - hätten Sie es lieber, wenn DiCaprio den Bösen spielt und Sie den Guten, oder umgekehrt?

Willis: Da DiCaprio ein guter Schauspieler ist, überlasse ich ihm die Wahl.

SPIEGEL: Das ist ein galantes Kompliment für den Mann, von dem es heißt, er habe mal eine Affäre mit Ihrer Ex-Frau Demi Moore gehabt.

Willis: Ich bin halt ein galanter Typ. Ein Mann, der sich in seiner Freizeit um seine Kinder kümmert, mit Freunden Bier trinkt und ab und zu aus dem Fenster schaut.

SPIEGEL: Und was sehen Sie durchs Fenster? Schließlich kümmert sich der Psychologe, den Sie in »Sixth Sense« spielen, um ein Kind, das mit Geistern redet.

Willis: Quatsch, wenn ich aus dem Fenster schaue, dann sehe ich keine Geister, sondern Bäume und Häuser.

SPIEGEL: Sollte sich ein Charakterdarsteller nicht stärker mit seiner Rolle identifizieren?

Willis: Na gut. Ich sehe einen grauhaarigen Geist namens Jimmy, der früher mal Friseur war.

SPIEGEL: Und? Spricht Jimmy zu Ihnen?

Willis: Ja, aber seine Geheimnisse darf ich natürlich nicht verraten.

SPIEGEL: Wie ist Jimmy umgekommen?

Willis: Brutale, schlimme, grausame Sache. War nicht Jimmys Schuld. Wäre aber vielleicht ein gutes Skript für einen Actionfilm. INTERVIEW: MARC FISCHER

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