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SCHRIFTSTELLER »Ich horche mich um«

Bestsellerautorin Gaby Hauptmann, 44, ("Suche impotenten Mann fürs Leben«, »Die Lüge im Bett") wurde neben sechs anderen Schriftstellern in den neu gegründeten Beirat des Bertelsmann-Buchclubs berufen.
aus DER SPIEGEL 43/2001

SPIEGEL: Frau Hauptmann, erklärtes Ziel des illustren Beratungsgremiums soll sein, die Lesekultur in Deutschland zu fördern. Wie wollen Sie das anstellen?

Hauptmann: Ich würde gern Nachwuchstalente fördern. Ich bekomme jede Menge Manuskripte zugeschickt, ganz so, als wäre ich ein eigener Verlag. Viele wollen wissen: »Wie wird man Bestsellerautor?« Na ja, die Frage ist natürlich unsinnig. Doch viele andere Fragen rund um die Schriftstellerei könnte man in Seminaren durchaus debattieren.

SPIEGEL: Sie und Ihre Beiratskollegen - darunter Walter Kempowski und Florian Illies - werden honoriert, eine eigene Bücher-Fernsehshow wird von Bertelsmann gesponsert, ein Literaturpreis ausgelobt. Besteht nicht die Gefahr, dass die geplanten Tätigkeiten zu Werbe- und Verkaufsshows für Clubbücher verkommen?

Hauptmann: Das wollen wir gerade nicht. Unser Ziel ist, Autoren zu entdecken, die noch nicht im Club veröffentlichen. Viele Schriftsteller sind ja schon ewig im Club vertreten, andere kommen nie rein. Und was die Fernsehshow angeht, die Lea Rosh moderieren wird, schwebt uns ein demokratisches Verfahren vor: nicht ein schulmeisterlich vorgetragener Verriss, sondern eine Buchdiskussion zwischen Autor, Kritiker und zwei Lesern.

SPIEGEL: Welchen bislang unbekannten Autoren und Werken wünschen Sie mehr Leser?

Hauptmann: Zum Beispiel dem Buch »Hundstage, Wolfsnächte« von Walter Wolter, das ich gerade gelesen habe. Ansonsten fange ich eben an, mich umzuhorchen. Mich interessiert, was jüngere Leute lesen, etwa der Freundeskreis meines 20-jährigen Au-pair-Mädchens. Vielleicht tauchen da völlig überraschende Vorlieben auf.

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