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BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Ich im Strickhemd

Horst Krüger; »Deutsche Augenblicke«. Piper; 320 Seiten; 19,80 Mark.
aus DER SPIEGEL 46/1969

Mal sagt der Verfasser, daß er fünfzig werde, dann wieder, daß er jetzt fünfzig sei. Der Journalist und Literat Horst Krüger ("Das zerbrochene Haus") mischt nach eigenem System Persönliches und Politik, Beobachtungen und Bekenntnisse. Er denkt nicht daran, hinter dem Abgeschilderten selbst zu verschwinden:

Er ist »besorgt«, »nervös«, ist »immer wieder fasziniert, bewegt, erschreckt, entzückt«, »gereizt« und »reizbar«, »wie erblindet«, ist »verlegen, fast ratlos«, verstört und verdrossen »ein Augenmensch«, »doch ein richtiger Deutscher, wie alle«, »ein ausgesprochener Einzelfall -- ein Massenmensch in dieser Sache«, Benn-Leser, Freud-Kenner und Bürgersohn« ein freisinniger Demokrat, der Neuen Linken in Skepsis zugeneigt. Er fragt: »Ja, wo kommt eigentlich mein Unbehagen, meine sanfte Ironie in dieser ... Sache her?« Oder: »Warum kann Ich nicht mein Strickhemd, meinen Pullover anbehalten?«

Als allemal kenntliches, hochempfindliches Einzelwesen hält Krüger die eigenen Reaktionen auf bundesdeutsche (und Ost-Berliner) Erscheinungen fest. Die »Bilder aus meinem Vaterland« verdanken gerade der fast niemals aussetzenden Ichbezogenheit des Autors die besondere Beweglichkeit. An Krügers Seite können deutsche Leser auf sich selbst gespannt sein, sich selbst komisch finden und auch vor sich selbst zurückschrecken.

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