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Idyllische Behinderung

Eric Malpass: »Beely Ist an allem schuld«. Rowohlt; 220 Selten; 18,5O Mark.
aus DER SPIEGEL 12/1971

Anscheinend geht der kleine Gaylord nun zur Ruhe, nachdem er drei Büchern des englischen Erzählers Eric Malpass ("Morgens um sieben ...")

durch Aussprüche und Streiche zu bemerkenswerten Auflagen verholfen hat. Rowohlt greift diesmal auf eine etwa vierzehn Jahre alte Arbeit seines Bestseller-Autors zurück. Der Romanheld Beefy Jones ist schon Mitte Zwanzig -- doch einfältig und unbeholfen wie ein kleines Kind. Beefy schläft mit einem Freundeskreis aus drittklassigen Berufsverbrechern auf dem Dachboden eines besonders häßlichen Gemeindehauses in einer besonders faden Stadt.

Ein geistig behinderter Asozialer als Hauptfigur: selbst das hält einen warmherzigen Humoristen wie Malpass nicht von der Idylle ab. Daß der liebe Beefy leicht hereinzulegen ist, daß er die falschen Gaunerkameraden nie durchschaut -- das sorgt höchstens für ein Mindestmaß an äußerer Bewegung und den allernotwendigsten Schatten. Denn: Abgesehen von den paar meistens erfolglosen Ganoven sind fast alle Malpass-Menschen gut -- arm und gut, beschränkt und gut oder auch gut und fromm, wenngleich senil.

Die Ironie, die sich Malpass gestattet, ist von so schlichter und gerader Art, daß sie kaum einen Leser verscheuchen wird: »Ida hatte in ihrem Leben zu viele vielversprechende junge Männer gesehen, die in ein ehrbares Leben abgerutscht waren, nur weil ihnen die richtige Führung und Disziplin gefehlt hatte.«

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