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Am Rande Ihr bestes Stück

aus DER SPIEGEL 32/2001

Zu den wenigen Gebieten, auf denen die Gleichberechtigung nicht funktioniert, gehört das weite Feld des Exhibitionismus. Wann etwa hat man von einer Frau gehört, die im Park hinterm Busch lauert und Männer erschreckt, indem sie ihren Mantel aufreißt? Für das schöne Beamtenwort vom »Gliedvorzeiger«, abgekürzt GVZ, gibt es bislang nicht einmal ein weibliches Gegenstück. Nein, der weibliche Exhibitionismus, so es einen gibt, entfaltet sich subtiler. In Berlin hatten vergangene Woche die »Vagina-Monologe« der New Yorker Autorin Eve Ensler Premiere. Frauen lassen, würde ein Mann sagen, »ihr bestes Stück« sprechen oder unterhalten sich mit ihm. In den notorisch verklemmten USA war das Stück ein Hit, auch weil diverse Promi-Frauen als Gäste auftraten. In Berlin nun wollen gleichfalls diverse Berühmte mitmachen, jeden Abend eine andere, unter anderen Hannelore Elsner, Katja Riemann, Jasmin Tabatabai und Iris Berben. Leicht irritierend allerdings ist der Umstand, dass unter den weiblichen Stars der »Vagina-Monologe« auch Lilo Wanders auftaucht. Denn unter der Perücke der wackeren »Wa(h)re Liebe«-Lilo verbirgt sich ein Kerl, der Ernie Reinhardt heißt. Für Enslers Stück, das viel niedliches Geschwafel, aber leider keinen Striptease vorsieht, könnte der Wanders-Gastauftritt immerhin die Rettung sein. Nur den Titel des Abends müsste man ändern. Unser Vorschlag: »Kuck mal, wer da spricht.«

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