Zur Ausgabe
Artikel 40 / 127

Verlage Ilse, Max und Eva

aus DER SPIEGEL 37/1993

Erst das Geld und dann die Ware. So jedenfalls hatte der Münchner Artemis & Winkler Verlag kalkuliert, als er im November 1988 die Weltrechte an den Tagebüchern des Kafka-Freundes und Schriftstellers Max Brod (1884 bis 1968) erwarb: Ein fünfstelliger Betrag ging auf dem Konto der Brod-Erbin Ilse Ester Hoffe in Tel Aviv ein. Die Tagebücher hingegen, sie stammen aus den Jahren 1909 bis 1968, sind bis heute nicht in München eingetroffen. Brods Papiere, auf deren Publikation vor allem Kafka-Forscher hoffen, liegen in einem Banksafe in Israel; die Erbin will von ihnen nicht lassen. Über die Gründe muß spekuliert werden: Ilse Ester Hoffe war nicht nur die Sekretärin des Dichters, sondern auch dessen Geliebte. Bei einer Veröffentlichung der Tagebücher, so erklärte kürzlich Eva Hoffe, eine Tochter der Erbin, komme womöglich »etwas ganz Schreckliches« heraus. Freunde des Autors glauben, daß Brod am Ende Mutter Ilse mit Tochter Eva betrog.

Zur Ausgabe
Artikel 40 / 127
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.