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Kunst Im Auftrag der Bonzen

aus DER SPIEGEL 4/1995

Lachende Traktoristen, verträumte Teenager bei der Jugendweihe, tapfere Rotarmisten: Jahrzehntelang hat die DDR ihre Maler und Bildhauer mit großangelegten Auftragsprogrammen beschäftigt. Die Hinterlassenschaft an sozialistisch erbaulicher Propagandakunst ist gewaltig, ein markanter Teil davon wird vom kommenden Freitag an in einer Ausstellung des Deutschen Historischen Museums in Berlin gezeigt ("Auftrag: Kunst"). Die 43 Werke - darunter Arbeiten von Willi Sitte, Bernhard Heisig und Fritz Cremer - belegen, daß die DDR-Bonzen, die anfangs jeden gesinnungsfremden Pinselstrich verfluchten, allmählich ihren Einfluß auf die Auftragskunst verloren. Ästhetische Bewertungen freilich meidet Ausstellungsveranstalter Christoph Stölzl ebenso wie Fragen nach den Stasi-Verstrickungen einzelner Künstler und Juroren. So schnüffelte der Kunstwissenschaftler und Auftragsgutachter Lothar Lang, Autor des Standardwerks »Malerei und Graphik in der DDR«, unter den Decknamen IM »Friedrich« und IM »Schreiber«. Darüber schweigt des Stölzls Höflichkeit.

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