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Im Dienste Ihrer Majestät

aus DER SPIEGEL 9/1964

Der Mörder und der Ermordete waren fasziniert von ihm. Lee H. Oswald holte sich die Bücher, die seine Abenteuer beschreiben, aus einer Leihbücherei in Dallas, Texas. Präsident John F. Kennedy setzte den Namen auf eine Liste von zehn Büchern, die er am liebsten gelesen hatte.

Der Held, den Präsident und Präsidenten-Mörder verehrten, war ein Brite Mitte 30, »mit einem grausamen Zug um die Mundwinkel«. Er heißt James Bond und ist das Phantasie-Produkt eines milden, gelockten Schotten namens Ian Fleming.

Als Fleming sich 1951 erstmals als Schriftsteller versuchte und einen Namen für seine Titelfigur suchte ("er sollte möglichst durchschnittlich sein"), erinnerte er sich an ein Vogelkundebuch aus seiner Jugend: »Vögel der Westindischen Inseln«. Autor war ein renommierter amerikanischer Ornithologe, James Bond. Fleming: »Mein Gott, dächte ich, das ist der langweiligste Name, den ich je gehört habe.«

Fleming nahm ihn. Heute gilt der langweiligste Name auf dem Büchermarkt der westlichen Welt als einer der aufregendsten.

»Keine Figur«, schrieb der »Daily Mirror«, »ist in der Welt des Buches und des Films mit solch pulverisierendem Erfolg aufgetaucht wie Flemings arroganter, amoralischer Held.«

Mit der Kreation von James Bond hat Schotte Fleming einen Millionen-Erfolg, einen Bestseller-Rekord und, wie die »New York Times« schrieb, »eine ausgewachsene Legende« begründet. In Amerika und Australien formierten sich James-Bond-Fan-Clubs. Zu den unorganisierten Fans gehören auch der Herzog von Edinburgh, der englische Schatzkanzler Maudling und der langjährige Chef des amerikanischen Geheimdienstes CIA, Allen W. Dulles.

Die Gesamtauflage von Flemings Bond-Büchern, die bislang in zehn Sprachen übersetzt wurden, beträgt 15 Millionen Exemplare; das entspricht der Gesamtauflage aller Werke Balzacs oder aller Bücher Hemingways.

Über 250 000 Briten sahen in der ersten Woche der Laufzeit James Bond in »From Russia with Love«, als der Film Ende Oktober in London Premiere hatte - mehr Zuschauer, als selbst Kassen-Klassiker wie »Vom Winde verweht« und »Die Brücke am Kwai« in der ersten Premieren-Woche aufweisen konnten.

Gegenwärtig sind amerikanische Produzenten dabei, die Bond-Bonanza weiter auszubeuten: Drei Bond-Filme entstehen gleichzeitig. Bond-Schöpfer Fleming, 55, hat für Buch- und Filmrechte bisher ungefähr fünf Millionen Mark kassiert, zum größten Teil in Dollarnoten. »Mein Beitrag zur Export-Kampagne ist überragend«, sagt er. »Ich sollte einen Orden kriegen.«

Flemings exportintensive Figur mit dem Ornithologen-Namen, arroganter und amoralischer Held in bisher elf Büchern*, ist Agent des britischen Geheimdienstes. Die doppelte Null vor seiner Code-Nummer - 007 - weist ihn als »einen jener drei Agenten aus, die im Dienste Ihrer Britischen Majestät töten dürfen«.

Die Gegner, die Bond dienstlich umbringen soll, sind nicht Gangster mit der Maschinenpistole im Geigenkasten. Denn Bond ist ein Held des Kalten Krieges: Er kämpft, mit einer 6,35-mm-Beretta im Schulter-Halfter, gegen die gigantischen Machtgruppierungen des Ost-West-Konflikts, gegen Smersh, Spectre und die Sowjet-Union.

Niemals geht es Bond um ein entführtes Mädchen, eher um eine entführte Wasserstoffbombe. Bond wird etwa eingesetzt, einen sadistischen Sowjet-Agenten zu liquidieren, der sich als Herrscher auf einer Insel im Karibischen Meer etabliert hat, um in Cape Canaveral gestartete US-Raketen mittels Funksignals von ihrem Kurs abzulenken. Oder Bond wird entsandt, einer hübschen russischen Botschaftsangehörigen, »deren Körper dem Staat gehört«, den Geheimcodeschlüssel abzugewinnen.

Der Leser erfährt authentische Tricks aus dem Spionage-Geschäft: wie man mit einem Plastikstreifen eine Tür öffnet, Urin als unsichtbare Tinte benutzt oder eine Armbanduhr als Schlagring verwendet.

Mit verblüffender Authentizität schildert Fleming das Geheimdienstmilieu, in dem er selbst jahrelang tätig war - die öde Bürokratie in dem grauen Gebäude am Regent's Park (in Wirklichkeit: St. James' Park), die theoretische Schulung der Agenten und ihre Schießübungen im Keller, die Einsatzbesprechungen im Chefbüro.

Anders aber als die Beamten des echten Secret Service, ist Ihrer Britischen Majestät Geheimagent 007 üppig mit Spesengeldern ausgestattet. Bond fährt und fliegt nur Erster Klasse, wohnt in Fünf-Sterne-Hotels und verspeist mit der weltmännischen Gelassenheit, die das amerikanische Herrenmagazin »Playboy« seinen Lesern suggeriert, Frauen und Feinschmecker-Menüs.

Bis zu vier Damen je Buch erliegen seinem muskulösen Charme. Und selbst Gräfinnen bieten sich ihm mit den Worten an: »Behandle mich wie die niedrigste Dirne.«

Niemals weist Bond eine solche Offerte zurück (auch wenn er dabei heimlich von Sowjet-Agenten gefilmt wird), verbringt jedoch ebensoviel Zeit mit dem Laben wie mit dem Lieben. Vor einer Verführung etwa bestellt er genießerisch: »Etwas Kaviar, dann gegrillten Rognon de veau mit pommes soufflées für die Dame, danach Fraises des bois mit Sahne. Für mich Tournedos mit Sauce Béarnaise und Coeur d'artichaut. Zum Schluß eine Pear Avocado mit French dressing, einen 45er Taittinger oder vielleicht einen Brut Blanc de Blanc 1943.«

»Als ich mich 1951 hinsetzte, um mein erstes Buch zu schreiben«, erläutert Fleming, »war gutes Essen noch rar und ich war darauf aus, den Leser bis in die Geschmacksnerven zu erregen.«

Fleming saß damals - 43 Jahre alt in seinem Ferienhaus Goldeneye, das er sich auf Jamaika gebaut hatte (und später dem Expremier Anthony Eden nach der Suez-Krise als Urlaubsdomizil zur Verfügung stellte). Er hatte gerade der geschiedenen zweiten Frau von Lord Rothermere einen Heiratsantrag gemacht, und um sich von diesem »schrecklichen Schritt in einem solchen Alter« abzulenken, beschloß er, ein Buch zu schreiben - »für vernünftige, warmblütige, heterosexuelle Leser«.

Fleming schrieb »Casino Royale«. Hintergrund, Handlung und Helden des Thrillers plünderte er aus seinem eigenen Leben, das Stoff genug für eine Autobiographie geboten hätte.

Sein Vater, ein Millionär, war Mitglied des Parlaments und wurde, als er 1916 in Frankreich fiel, durch einen Nachruf von Winston Churchill in der »Times« geehrt. Sohn lan wurde in Eton erzogen, studierte Psychologie in München und Genf, bewarb sich (vergebens) um Aufnahme in den diplomatischen Dienst und reiste 1929 als Journalist für die Nachrichtenagentur Reuter nach Moskau (noch heute hütet er einen Brief, in dem Stalin ihm mitteilt, daß er ihn leider nicht empfangen könne).

Von 1933 bis 1939 versuchte er als Bankangestellter und Börsenmakler Geld zu verdienen. Nach Kriegsausbruch holte ihn der Geheimdienstchef der britischen Marine, Konteradmiral John H. Godfrey, als seinen persönlichen Assistenten zur Royal Navy. Fleming war fasziniert vom Geheimdienstmilieu.

In einem seiner ersten Aufträge sollte Oberleutnant Fleming einen gefangengenommenen deutschen U-Boot-Kommandanten vernehmen, um herauszubekommen, welchen Kurs die U-Boote durch englische Minenfelder steuerten.

Fleming glaubte, einen brillanten Geheimdiensteinfall zu haben: Statt den deutschen Kapitän im Gefangenenlager zu verhören, lud er ihn zu einem üppigen Mahl in Scott's Restaurant am Piccadilly Circus. Die Deutschen trugen Zivil, Fleming und ein Mitarbeiter waren in Uniform. Man sprach Deutsch und trank Rheinwein. Aber während die beiden Briten immer weinseliger wurden, blieben die Deutschen nüchtern und verrieten nichts.

Auch in einer anderen Episode siegte Fleming nicht über seine teutonischen Widersacher. 1941, auf einer Reise nach den Vereinigten Staaten, machte Admiral Godfrey mit Fleming Zwischenstation im neutralen Portugal. Im Casino von Estoril erkannte Fleming deutsche Geheimdienst-Agenten am Chemin-de-fer-Tisch.

Fleming, ein leidenschaftlicher Spieler, beschloß, den Deutschen am Spieltisch ihre geheimen Fonds abzunehmen. Die Partie endete jedoch umgekehrt. Der Schotte verlor seine ganze Barschaft und mußte Admiral Godfrey um die Bewilligung weiterer Reisespesen bitten.

Für »Casino Royale« modellierte er den Chef des Secret Service klar erkennbar nach seinem Vorgesetzten aus der Kriegszeit, Admiral Godfrey. Wie beim echten Geheimdienst wird der Name des Mannes »mit dem gebräunten Seemannsgesicht« niemals genannt - seine Untergebenen sprechen von ihm nur als »M« (in Wirklichkeit: »C").

Auch Bond ist eine Nachbildung. In seinem Steckbrief bei der russischen Geheimdienst-Organisation Smersh sind seine Merkmale festgehalten: »Vollathlet, hervorragender Pistolenschütze, Messerwerfer. Sprachen: Französisch und Deutsch. Starker Raucher (spezialgefertigte Zigaretten mit drei Goldringen); Laster: Trinkt, aber nicht exzessiv, und Frauen.«

Fleming ist kein Vollathlet und kein Messerwerfer. Aber er spricht Französisch und Deutsch und raucht Zigaretten mit drei Goldringen; die von der Firma Morlands in Londons Grosvenor Street eigens für eine begrenzte Kundschaft gefertigt werden. Und wie Fleming im Casino von Estoril gegen die Deutschen, spielt Bond im »Casino Royale« gegen den russischen Chef-Agenten »Le Chiffre« - um ihm die Fonds für subversive Tätigkeit im Nato-Europa abzunehmen. Mit einem Unterschied: Bond gewinnt.

Seitdem haben mehrere Duelle beim Bridge oder Poker, aber auch ein 10 000-Dollar-Golf-Match (Fleming ist emsiger Golfer) in Fleming-Thrillern stattgefunden.

In allen Büchern aber fährt Bond einen 1930er Viereinhalb-Liter-Bentley Mark IV mit Kompressor, in dem er dem Mercedes 300 SL seines deutschstämmigen Gegners ein mörderisches Verfolgungsrennen liefert - Fleming beobachtete als junger Reuter-Reporter 1930 in Le Mans die Zweikämpfe zwischen Bentley und Mercedes.

Als tollkühner Froschmann, der sich unter den Barracudas und Haien im Karibischen Meer auskennt, liefert Bond, schnorchelbestückt und harpunenbewehrt, sowjetischen Flossenhelden zahllose Unterwasserduelle - Fleming tauchte nach dem Kriege gemeinsam mit Frankreichs Tiefseeforscher Cousteau.

In den Alpen erweist sich Bond als versierter Skifahrer, wenn auch im obsoleten Stil der zwanziger Jahre - Fleming erlernte in den zwanziger Jahren im Arlberg-Revier das Skilaufen.

Bond ist ehemaliger Commander der Royal Navy - wie Fleming. Er bevorzugt blaue Anzüge und haßt Schuhe mit Schnürsenkeln - wie Fleming. Als Besitzer eines Studebaker Avanti hat Fleming eine Vorliebe für schnelle Sportwagen - wie Bond. Und wie Bond ist er Martini-Trinker mit einem Spezial-Mixrezept ("Drei Teile Gordon's, einen Teil Wodka, einen Schuß Kina Lillet").

Fleming ist vertraut mit dem Luxusmilieu, in das er seinen Helden und dessen unbeständige Begleiterinnen bettet. »Unzählige Touristen, die schon einmal im Flughafen Zürich angekommen sind«, schrieb der amerikanische Kritiker Robert R. Kirsch, »können ihn in Flemings Schilderungen wiedererkennen. Aber sie werden in eine Phantasiewelt katapultiert, wenn James Bond dort ankommt - maskiert als Sir Hilary Bray, Mitglied des Royal College of Arms, unter Beobachtung der Schurken des Ost-West-Gangsters Blofeld.«

Fleming schildert keine Szenerie, die ihm fremd ist: Die Reise in einem amerikanischen Schnellzug oder im Orientexpreß, die Luxusherbergen von Florida oder St. Moritz werden von ihm ebenso akkurat beschrieben wie die Requisiten, mit denen Bond oder seine Gegner hantieren.

In einem Bond-Thriller setzt die russische Geheimorganisation Smersh zwei bulgarische Agenten ein, um 007 zu beseitigen. Jeder trägt eine Kameratasche am Schulterriemen, der eine Agent eine rote, der andere eine blaue.

Smersh instruiert die Bulgaren, die rote Tasche enthalte eine Bombe, die andere entwickele einen Nebelschleier, hinter dem die beiden nach dem Anschlag fliehen könnten. Erst soll die rote Bombe geworfen, dann der Knopf auf dem blauen Kamera-Kasten gedrückt werden.

Die Bulgaren mißtrauen dem Plan und entschließen sich, erst den Knopf auf dem blauen Kasten zu drücken, sich in den Nebel einzuhüllen und dann die rote Bombe zu werfen.

Beide fliegen in die Luft. Denn Smersh hat auch in die blaue Kameratasche eine Bombe eingebaut, damit nach dem Attentat die beiden Agenten sich unwissentlich selbst in die Luft sprengen und so alle Spuren beseitigen.

Fleming: »Weit hergeholt, mag man sagen. In Wirklichkeit wurde genau diese Methode von den Russen benutzt, als sie in Ankara während des Krieges einen Anschlag auf den deutschen Botschafter von Papen machten. Die Bulgaren wurden in die Luft geblasen, während Herr und Frau von Papen unverletzt davonkamen.«

In einem Vorwort zu seinem 1957 erschienenen Bond-Schmöker »From Russia with Love«, der von den Machenschaften der russischen Organisation Smersh handelt, versichert Fleming: »Smersh, eine Abkürzung von Smiert Spionam - Tod den Spionen -, existiert und ist bis heute das geheimste Department der Sowjetregierung. Als dieses Buch geschrieben wurde, betrug die Stärke von Smersh in der Sowjet-Union und im Ausland ungefähr 40 000 Mann; ihr Chef war General Grubosaboischikow. Meine Beschreibung seines Aussehens stimmt mit der Wirklichkeit überein. Das Hauptquartier von Smersh liegt, wie ich beschrieben habe, im Gebäude Nr. 13 Sretenka Uliza, Moskau. Der Konferenzraum ist entsprechend der Wirklichkeit beschrieben.«

Ein in Ostberlin entdeckter Tunnel, durch den der amerikanische Geheimdienst Ostberliner Telephonleitungen anzapfte, der Tod des englischen Froschmannes Crabb unter dem Kiel eines Sowjetkreuzers im Hafen von Portsmouth, die U-2-Affäre und der Versuch des russischen Geheimagenten Chlochlow, einen Exilrussen in Westdeutschland mit Hilfe einer als Zigaretten-Etui getarnten Pistole umzubringen - all das verwertet Fleming in seinen Bond-Büchern und wertet es als Beweis, daß es bei der Arbeit der Geheimdienste ebenso phantastisch zugeht wie bei den Abenteuern, die Bond zu bestehen hat.

Flemings Frau Anne entsetzte sich über »diese schrecklichen Bond-Bücher«, die Ehemann lan im Rhythmus von einem Exemplar pro Jahr verfertigte. Aber Millionen Leser waren bereit, den Agenten 007 auf seinen luxuriösen Reisen in die Unterwelt des Kalten Krieges zu begleiten.

Ein erstes Zeichen internationalen Ruhms erhielt Fleming 1960, als er bei einer Bekannten in Washington zu Besuch war. Sie stoppte den Wagen neben einem spazierengehenden Ehepaar und stellte vor: »John F. und Jacqueline Kennedy.«

Fragte Kennedy interessiert: »Sie sind doch nicht etwa der Ian Fleming?«

Von da an schickte Fleming jedes neue Werk ins Weiße Haus. Der Präsident dankte jedesmal mit einem Handschreiben. Auch von der Ehefrau des Ornithologen James Bond bekam Fleming einen Brief. Sie dankte ihm dafür, daß er den Namen ihres Mannes benutzt hatte.

Der zweite prominente Fleming-Fan in Washington, Amerikas Geheimdienstchef Allen Dulles, war von der technischen Ausstattung James Bonds so angetan, daß er in den Laboratorien des US-Geheimdienstes einige der trickreichen Apparate nachbauen ließ, mit denen Fleming seine Helden ausstaffiert hatte. Sie funktionierten nicht.

Aber auch die Leser entdeckten in jedem Bond-Buch ein bis zwei Schnitzer und waren nicht gewillt, sie hinzunehmen. Es gab Protestbriefe, als Fleming von den hydraulischen Bremsen des Orientexpreß schrieb (er hat Saugluft-Bremsen) und von dem Dior-Parfüm Vent Vert (es stammt von Balmain). Als schlimmster Schnitzer erschien den Lesern, daß Feinschmecker Bond sich Spargel mit Sauce Béarnaise (statt Sauce Mousseline) bestellte.

In seinem neuesten Buch ist James Bond nicht der Gefahr ausgesetzt, gegen die Gesetze abendländischer Gourmets zu verstoßen. Fleming verwandelte, nachdem er selber eine Studienreise nach Japan unternommen hatte, seinen Helden in Bondo-San und läßt ihn im Land des Reisweins und der Bambussprossen für die gerechte Sache der westlichen Welt kämpfen.

Im letzten Monat brach Fleming auf, um in seiner Zuflucht auf Jamaika innerhalb von sechs Wochen nach bewährtem Rezept einen neuen Bond-Thriller zu verfertigen: Morgens vier Stunden Schreibarbeit, umgeben von fleißig gesammelten Fahrplänen, Stadtkarten, Hoteladressen, Menüs, Bonmots und Städtebildern für die äußere Authentizität einer Abenteuer-Geschichte.

Bei seiner Abreise wußte Fleming noch nicht, worüber er diesmal schreiben soll. Die sowjetische Organisation Smersh hat er aus Gründen der Völkerfreundschaft aufgelöst. Die Politik der Entspannung droht Bond als Anti-Rußland-Krieger unglaubhaft zu machen.

Schon in den letzten Bond-Büchern kämpfte 007 hauptsächlich gegen Ernst Blofeld, den Chef einer internationalen Supergangster-Organisation, die Erpressung mit Atombomben betreibt. »Es wird immer schwieriger, Schurken zu finden«, klagt Fleming.

Der klassische Unhold des englischen Abenteuer-Romans, ein teutonischer Hunne aus Deutschland, der in den ersten Fleming-Büchern auftauchte, hat die Nato-Waffenbrüderschaft nicht übern lebt.

»Ich glaube«, überlegte Fleming, »ich werde mir diesmal meinen Schurken aus Rotchina holen müssen.«

* In Deutschland bisher in mangelhafter Übersetzung erschienen: »Casino Royale«, 176 Seiten; »Diamantenfieber«, 188 Seiten; »Leben und sterben lassen«, 176 Seiten. Alle im Verlag Ullstein, Frankfurt; je 2,40 Mark.

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