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LITERATUR Im Licht der blauen Küste

aus DER SPIEGEL 7/1999

Michel heißt der attraktive Architekt aus München, der allein an die Côte d''Azur aufbricht, um dort einem Trauma aus Kindheitstagen nachzuforschen. Vor ein paar Jahren hatte sich die junge Elisabeth in den wandlungsfähigunnahbaren Kerl verliebt. Doch Michel war ihr entwischt, nachdem sie ihn, zu ihrer eigenen Überraschung, in die Liebe hatte einführen müssen. Woher rührt seine offenkundige Verstörung?

Die in Berlin lebende Journalistin Tanja Langer, 36, begleitet den geheimnisvollen Helden in ihrem literarischen Debüt »Cap Esterel« auf seiner Reise in die Vergangenheit: erzähltechnisch ganz konventionell in der dritten Person, unterbrochen freilich immer wieder von zwei weiblichen Ich-Stimmen, deren Monologe sich zu einer Klage über eine uneinlösbare große Liebe zu ergänzen scheinen. Tatsächlich trennt die beiden Frauen ein Vierteljahrhundert. Da ist Elisabeth heute, die über den Verlust des 30jährigen Michel trauert; da ist die Mutter des 5jährigen Michel 1972, die sich auf eine leidenschaftliche Begegnung einläßt mit dem Kioskbetreiber an jenem Strand der Côte d''Azur, wo der Sohn jetzt recherchiert.

Virtuos spielt die Autorin mit dem Puzzle aus verschiedenen Zeiten und Sprechweisen; erst auf den letzten Seiten fügen sich die Andeutungen zu einem Bild zusammen. Hier und da neigt die Autorin zu überflüssigen Kommentaren ("Michel hatte seine Strategien im Laufe der Zeit perfektioniert"), und ein Roman ist das Buch nicht schon deswegen, weil der Verlag das in kühner Verkaufsstrategie behauptet - eine mehr als nur talentierte Erzählung aber ist es durchaus. Und die hat noch einen großen Vorteil: Sie ist spannend.

Tanja Langer: »Cap Esterel«. Verlag Volk & Welt, Berlin; 142 Seiten; 28 Mark.

Tanja Langer: »Cap Esterel«. Verlag Volk & Welt, Berlin; 142Seiten; 28 Mark.

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