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»IM Martin« als Psychologe

aus DER SPIEGEL 42/1992

Nachdem der SPIEGEL (41/1992) über die Stasi-Karriere des Schriftstellers Hermann Kant alias »IM Martin« berichtet hatte, meldete sich ein Opfer des emsigen Spitzels zu Wort: In der FAZ teilte der Schriftsteller Günter Kunert mit, der »IM Martin« sei ihm aus seinen eigenen Stasi-Akten wohlbekannt, doch für dessen Identität habe »der letzte Beweis« gefehlt, der jetzt vorliege. Mit Details hält sich Kunert zurück - anders als »IM Martin« gegenüber seinem damaligen Führungsoffizier Herbert Treike. Dem berichtete »Martin« am 29. April 1963 nach einem Besuch bei Kunert, dieser wohne »bei einem verkrachten Holzbildhauer« und sei - nach einer SED-Attacke auf Künstler - »etwas verbittert und verstand alles nur bis zu einem gewissen Grad«. »Martin« gibt die intimen Gedanken wieder, die Kunert dem Gast über seine persönliche Verfassung beim Schreiben von Gedichten anvertraut. Abschließend rapportiert »Martin« eine psychologische Einschätzung seines Opfers: »Kunert ist ein verklemmter Mensch, der eine böse Geschichte hinter sich hat, deshalb ist er auch mißtrauisch.«

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