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Im ZDF: Greenes »Herz aller Dinge«

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aus DER SPIEGEL 33/1983

In vier Wochen strahlt das ZDF eine vierteilige Neuverfilmung des Romans von Graham Greene »Das Herz aller Dinge« aus, der bereits 1971 in einer TV-Inszenierung von Oswald Döpke über den Sender lief. Wie einst Döpke seine »kostspielige Langeweile« ("Frankfurter Rundschau"), drehte auch der italienische Regisseur Marco Leto diese internationale Ko-Produktion an Originalschauplätzen in Südafrika. Sein Sechseinhalb-Millionen-Mark-Unternehmen jedoch ist ein Glücksfall einer in allen Details (Dialoge, Darsteller, Synchronisation) gelungenen Version. Letos Vierstundenwerk fließt behutsam dahin wie Greenes Roman, fatalistisch, tief pessimistisch, wie all die Jahre, die Harry Scobie (verkörpert vom englischen TV-Star Jack Hedley, Photo, links) in der britischen Kolonie an der afrikanischen Küste als Polizeimajor verbringt. Als er bei der Beförderung übergangen wird, geht ein Riß durch seine dumpfe Existenz. Seine Frau verläßt ihn vorübergehend, er beginnt eine Liebschaft mit einer lustlosen Witwe. Doch für beide Frauen bringt Scobie nicht Liebe, sondern nur Mitleid auf. Noch mit einer letzten Lüge scheidet der überzeugte Katholik aus dem Leben: Seinen Selbstmord hat er als Herztod getarnt.

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