DER SPIEGEL

Dreharbeiten auf der ISS »Und: Action!«

Erstmals in der Geschichte der Raumfahrt ist ein Filmteam für Dreharbeiten zur ISS geflogen. Mit an Bord: der russische Superstar Julia Peressild. Russland will damit offenbar sein Image als Weltraummacht aufpolieren.

Hollywood-Star Tom Cruise wollte der erste sein, doch sie kam ihm zuvor: die russische Schauspielerin Julia Peressild wird gemeinsam mit Regisseur Klim Schipenko das erste fiktionale Filmdrama im Weltall drehen. Dafür sind sie am Dienstag in Begleitung eines Kosmonauten mit einer Sojus-Rakete vom Weltraumbahnhof Baikonur auf die internationale Raumstation ISS in 400 Kilometern Höhe gelangt. Zwei Stunden nach dem Andock-Manöver konnten sie durch die Schleuse in das Innere gleiten. Die zwei derzeit auf der ISS tätigen Kosmonauten wirken mit – und filmten bereits die Ankunft Peressilds auf der Raumstation.

Julia Peressild, Schauspielerin: »Alle 30 Sekunden gab es heute etwas Neues für uns. Wir haben die Besatzung der Astronauten und Kosmonauten getroffen, die hier leben. Mir scheint es noch immer wie in einem Traum.«

Im geplanten Film mit dem Arbeitstitel »Herausforderung« spielt Peressild eine Ärztin, die auf der ISS das Leben eines Kosmonauten retten soll. Laut Staatssender Perwy Kanal hat das Team an Bord der Station zwölf Tage Zeit, um dort 35 bis 40 Minuten des finalen Films zu drehen. Die Filmcrew ist am Juri Gargarin Space Center auf ihren Einsatz vorbereitet worden.

Zuvor hatten die Wissenschaftler der russischen Weltraumagentur Roskosmos kritisiert, dass öffentliche Gelder statt für die Forschung in ein Kunstprojekt fließen und zwei Astronauten statt der Filmemacher auf der Erde bleiben müssen. Ähnliche Anfragen wurden abgelehnt – wie die des britischen Regisseurs Ben Turner. Er hatte für seine Dokuserie »Among the Stars« zwar die Unterstützung des Nasa-Astronauten Chris Cassidy. Doch sein Gesuch auf der ISS drehen zu dürfen wurde ausgeschlagen.

Ben Turner, Regisseur: »Ich habe gebettelt und gefleht, aber ich konnte sie nicht dazu bringen, mich hinaufzulassen. Ich habe mir also Sorgen gemacht, wie wir dort filmen könnten. Das schien nun die Herausforderung. Schließlich wurde es der einfachste Teil der Produktion. Wir haben lange mit Chris gesprochen: Es gibt da oben viele Kameras, und er hat sich selbst gefilmt.«

Nach dem Wettrennen um den ersten zivilen Weltraumflug zwischen den zwei Multimilliardären Jeff Bezos und Richard Branson im Juli will Russland mit diesem Projekt PR für die russische Raumfahrt machen. Denn auch Russland plant, private Weltraumtouristen ins All zu schicken, um damit zusätzlich Geld zu verdienen. Zuletzt hatte die russische Raumindustrie unter Unfällen, Korruption und dem Wegfall wichtiger Einnahmen von US-Seite gelitten. Seit 2020 können die Vereinigten Staaten Astronauten mit Dragon-Kapseln von Elon Musks Firma SpaceX direkt von amerikanischem Boden zur ISS schicken und haben weniger Bedarf an russischer Raketentechnik.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.