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Gestorben James Levine, 77

aus DER SPIEGEL 12/2021
Foto: Richard Termine / NYT / Redux / laif

Wie oft bei Hochbegabten zeigte sich sein Talent in früher Kindheit. James »Jimmy« Levine mimte als Bub – so ist es jedenfalls überliefert – mit der Stricknadel seiner Oma in der Hand den Dirigenten. Er lernte Klavier, gab mit zehn sein erstes Konzert als Solist und studierte an der berühmten Juilliard School in New York. 1964 heuerte er als Assistent bei dem großen George Szell an. Von 1999 bis 2004 war Levine Chefdirigent bei den Münchner Philharmonikern, danach wechselte er in gleicher Position nach Boston. Er war ein Topdirigent alter Schule, liebte Pathos und Wucht. 1971 trat der Künstler erstmals an der New Yorker Metropolitan Opera auf, mit »Tosca« von Giacomo Puccini. Fast fünf Jahrzehnte lang arbeitete er für die Met – bis sie ihn feuerte. In der #MeToo-Debatte ließ das Opernhaus Vorwürfe gegen ihren Musikdirektor wegen sexuellen Missbrauchs junger Kollegen untersuchen. Levine bestritt die Vorwürfe, ein Rechtsstreit endete außergerichtlich, angeblich erhielt er 3,5 Millionen Dollar Abfindung. Seine für Januar in Florenz geplanten Konzerte wurden wegen Corona abgesagt. Der Amerikaner, gezeichnet von Rückenproblemen und Parkinson, hatte zuletzt nur noch im Sitzen dirigiert. James Levine starb am 9. März in Palm Springs.

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