Angeblich aus der "FAS" entfernt Jan Böhmermann veröffentlicht Interview auf Twitter

Via Twitter erkundigte sich Jan Böhmermann, warum die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" ein Interview mit ihm nicht gedruckt habe - und veröffentlichte dann einen Text voller Hegel-Anspielungen.
ZDF-Moderator Böhmermann und "FAZ"-Herausgeber Kaube

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Arno Burgi; Oliver Berg / picture alliance / dpa

Jan Böhmermann hat gerade ein Buch veröffentlicht . Es heißt "Gefolgt von niemandem, dem du folgst" und versammelt die Tweets des TV-Moderators aus den Jahren 2009 bis 2020. Wie das so üblich ist, hat Böhmermann zur Promotion des Buches Interviews gegeben. Eines erschien beispielsweise am vergangenen Samstag in der "Süddeutschen Zeitung" .

Wenn Jan Böhmermann zu glauben ist, dann hätte auch in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 6. September ein Interview erscheinen sollen. Doch das Feuilleton der "FAS" machte auf mit einem Text über den Roman "Alle Hunde sterben" von der Schriftstellerin Cemile Sahin. Von Böhmermann keine Spur.

Dass er das Interview in der Sonntagszeitung vermisste, machte Jan Böhmermann am Donnerstagnachmittag öffentlich, indem er einen Brief an den für Kultur zuständigen Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Jürgen Kaube, via Twitter - wo sonst? - teilte. Kaube habe persönlich angeordnet, dass das Interview aus der Ausgabe entfernt werde, so sei es Böhmermann von seinem Verlag zugetragen worden. Er habe auch angewiesen, dass es auch später nicht veröffentlicht werden solle.

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In dem offenen Brief forderte Böhmermann eine Erklärung von Kaube, warum das Interview aus dem Blatt geflogen sei. Er bekam sie nicht - auch auf SPIEGEL-Anfrage teilte die Zeitung übrigens mit: "Die FAZ kommentiert redaktionelle Entscheidungen nicht."

Am späten Donnerstagnachmittag ließ Böhmermann dem Brief an Kaube noch mehrere Tweets folgen, in denen er sich empörte über die Zeit, die er für das Interview und den zugehörigen Fototermin ("Ich habe in Topfpflanzen gestanden!") aufgewendet habe. Zwischenzeitlich bot er auch noch "Welt"-Chefredakteur Ulf Poschardt an, das Interview zu veröffentlichen - bevor Böhmermann dann gegen Mitternacht selbst zur Tat schritt.

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In einem 73 Tweets umfassenden Thread legte Böhmermann einen Interviewtext vor, in dem er ausführlich über seine Motivation, das Medium Twitter zu nutzen, Auskunft gab. Es mache "nun einmal möglich, auch komplexe Gegenmeinungen so pointiert zu artikulieren, dass Du davon als Großkabarettist oder Leitmediums-Chefredakteur berührt wirst", heißt es darin zum Beispiel.

Dieses Zitat stand auch in einem von zwei Interviewauszügen, die Böhmermann bereits am Nachmittag gepostet hatte.

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Im zweiten Auszug vom Nachmittag, einer Passage, in der Jan Böhmermann den Umgang des WDR-Intendanten Tom Buhrow mit dem "Umweltsau"-Lied kritisierte, war allerdings keine Anspielung auf den Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel zu lesen. Die fand sich erst in der nächtlichen Interviewversion - eine von zahlreichen Hegel-Erwähnungen im Thread.

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Insofern darf daran gezweifelt werden, dass Böhmermann tatsächlich den exakten Wortlaut eines "FAS"-Interviews auf Twitter wiedergegeben hat. Die Zeitung möchte auch hierzu auf Anfrage keinen Kommentar abgeben. Allerdings veröffentlicht in diesem Herbst nicht nur Böhmermann ein neues Buch, sondern auch "FAZ"-Herausgeber Jürgen Kaube. Das Sachbuch ist bei Rowohlt erschienen  und trägt den Titel "Hegels Welt".

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