Kunstaktion in Japan Ausstellung in Tokio komplett geplündert

Zehn Tage lang sollte die Ausstellung öffnen - doch nach nur wenigen Minuten waren alle Exponate weg. Geklaut von Hunderten Besuchern. Und das durften die sogar.
Nein, dies ist keine Diebin, sondern Minori Murata, die dieses Kunstwerk schuf

Nein, dies ist keine Diebin, sondern Minori Murata, die dieses Kunstwerk schuf

Foto: BEHROUZ MEHRI/ AFP

Welches Gemälde aus welchem Museum würden Sie klauen, wenn Sie dürften? Da fällt sicher vielen etwas ein, das sich ganz wunderbar über dem Sofa machen würde. Klar, erlaubt ist das nicht. Und diese Sätze sollen auch keinesfalls der Aufruf zu einer Straftat sein. Aber vielleicht ist der Wunsch nach einem echten Kunstwerk zu Hause eine gute Erklärung dafür, warum eine Ausstellung in Tokio binnen kürzester Zeit geschlossen werden musste.

Die Organisatoren hatten die Besucher zum "Diebstahl" von Kunstwerken aufgefordert. Daraufhin sind die Räume binnen wenigen Minuten von Hunderten Menschen ausgeräumt worden.

Ziel der Ausstellung sei es gewesen, die Beziehung zwischen Künstlern und Besuchern zu verändern, sagte der Veranstalter Tota Hasegawa. Geplant war eine Laufzeit der Ausstellung von rund zehn Tagen. Wegen der "Plünderung" endete sie aber bereits in der Nacht zum Freitag.

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Tokio: Kunst zum Klauen

Foto: BEHROUZ MEHRI/ AFP

Der Aufruf der Ausstellungsorganisatoren hatte sich im Internet so schnell verbreitet, dass sich am Donnerstagabend fast 200 Menschen vor der Galerie versammelten. Die eigentlich für Mitternacht geplante "Plünderung" begann wegen des großen Andrangs eine halbe Stunde früher als geplant - knapp zehn Minuten später waren alle Ausstellungsstücke weg.

Beim Weiterverkauf 830 Euro erbeutet

Den Abtransport der Kunstwerke mussten die Besucher selbst organisieren. "Wir helfen Kunstdieben nicht beim Verpacken oder beim Transport der Ausstellungsstücke", hieß es auf einem Hinweis am Eingang der Galerie. Offenbar waren aber nicht alle "Diebe" mit ihren Kunstwerken zufrieden. Manche Ausstellungsstücke wurden wenig später auf Onlinemarktplätzen zum Verkauf angeboten - zu Preisen von bis zu 100.000 Yen, umgerechnet rund 830 Euro.

Veranstalter Hasegawa zog trotz des schnellen Endes der Ausstellung ein positives Fazit. Alle Diebe hätten sich "ordentlich verhalten". Einer der "Plünderer" gab demnach sogar eine verlorene Tasche mit einem Geldbeutel bei den Galeriemitarbeitern ab.

jus/AFP
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