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KINO »Jeder Film ist wie ein großer Coup«

Hollywood-Regisseur und Wunderkind Steven Soderbergh, 39, über seine gerade angelaufene Produktion »Safecrackers oder Diebe haben's schwer«
aus DER SPIEGEL 49/2002

SPIEGEL: Mr. Soderbergh, der von Ihnen produzierte Film »Safecrackers« der Brüder Anthony und Joe Russo erzählt von armen Schmalspurganoven. Ist er ein Gegenstück zu Ihrem glamourösen Gangsterfilm »Ocean's Eleven«?

Soderbergh: Ja, dieser völlige Gegensatz hat mir sehr gefallen. Die Filme entstanden zur gleichen Zeit, und George Clooney, der in beiden mitspielt, kam von einem Drehtag auf den anderen aus dem schieren Luxus in die bittere Armut. Die Figuren in »Safecrackers« stehen auf der untersten Stufe der sozialen Leiter, und auch ihr Traum vom großen Coup ist ein paar Nummern kleiner als in »Ocean's Eleven«. »Safecrackers« taucht in einen Bereich der amerikanischen Wirklichkeit ein, der von Hollywood selten für würdig erachtet wird, auf der Leinwand gezeigt zu werden.

SPIEGEL: Warum ist das so?

Soderbergh: In der Unterhaltungsindustrie herrscht die Übereinkunft, dass Menschen, die am Rande des Existenzminimums leben, nicht als Kino-Figuren taugen. Doch vielleicht wohnen die wahren Helden in der Wohnung gegenüber.

SPIEGEL: Wie erklären Sie sich die seit Jahren anhaltende Popularität jener Filme, die vom Gelingen oder Scheitern eines großen Coups erzählen?

Soderbergh: Ich glaube nicht, dass dies allein an dem Traum liegt, von heute auf morgen reich zu werden. In den meisten dieser Filme wird der kriminelle Akt zu einem Kunstwerk stilisiert. Tatsächlich gibt es zwischen einem Filmprojekt und einem großen Coup viele Gemeinsamkeiten: Man trommelt ein Team zusammen, entwickelt einen Plan, und während man ihn durchführt, hat man ständig Angst, alles könnte schief gehen. Am Ende ist man froh, ungeschoren davongekommen zu sein. Doch wie heißt es in Stanley Kubricks Film »Die Rechnung ging nicht auf« von 1956, einem Klassiker des Genres: Das Publikum wünscht sich insgeheim, dass der Verbrecher und der Künstler auf dem Zenit ihres Schaffens scheitern.

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