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Gestorben Jerry Lee Lewis, 87

aus DER SPIEGEL 45/2022
Foto:

Michael Ochs Archives / Getty Images

Schon in der Highschool soll er versucht haben, den Lehrer mit einer Krawatte zu erdrosseln. 1976 schoss er, wenn auch versehentlich, seinem Bassisten in die Brust: Jerry Lee Lewis trug den Beinamen »The Killer« nicht grundlos. Er zählte mit Elvis Presley zur ersten Generation weißer Rock-’n’-Roll-Stars und bereicherte Mitte der Fünfziger von Memphis aus weiße Hillbilly-Gesänge mittels schwarzem Rhythm ’n’ Blues, eine neue, körperfixierte Popmusik entstand: der Rockabilly. Inhaltlich ging es um die Jagd auf Sex. Lewis hatte seinen ersten Hit 1957 mit »Whole Lotta Shakin’ Goin’ On«, einer Coverversion der schwarzen Rhythm-’n’-Blues-Sängerin Big Maybelle, die er unter viel Jauchzen und Gurren als Anleitung zum Geschlechtsakt darbot. Teenager fanden hier Geräusche, die beschrieben, was tief in ihnen rumorte. Dass Lewis dabei sein Klavier in erotischer Verzückung in Flammen setzte, machte sein Anliegen umso dringlicher. Als 1958 öffentlich wurde, dass Lewis seine damals 13-jährige Cousine zur dritten Ehefrau genommen hatte, ohne sich vorher scheiden zu lassen, wurden seine Songs kaum noch im Radio gespielt. Mit einem furiosen Auftritt im Hamburger Star-Club gelang ihm 1964 sein Comeback: Der Pianist zelebrierte einen hochenergetischen Minimalismus, der den Punk vorwegnahm. In den letzten Jahren sang der einst erzreligiös erzogene Musiker vor allem Country- und Gospelsongs, in denen er Jesus pries. Jerry Lee Lewis starb am 28. Oktober auf seiner Ranch südlich von Memphis.

cbu
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