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Am Rande Jetzt kommt Münti!

aus DER SPIEGEL 13/1998

Jahr für Jahr wirbeln immer neue Namen strahlender Popstars durch den Kosmos der Medienöffentlichkeit - von Tic Tac Toe bis Blümchen, von Karl Dall bis Madonna. Doch wie schnellebig, wie vergänglich sind Ruhm und Glamour, wie flüchtig ist die Rolle der Leitfigur in den Stürmen des allzu wendigen Zeitgeists.

Aber nun kommt einer, der alles Talmihafte, alles Wankelmütige und Frivol-Laszive verabscheut und gleichwohl das Zeug zu großem Glamour hat. Es handelt sich um Franz Müntefering, den Bundesgeschäftsführer der SPD. Harald Schmidt, der große Frivolissimus des deutschen Fernsehens, hat ihn in seiner Late-Show entdeckt und vergangene Woche auf den Schild gehoben: Müntefering, jubelte Schmidt, sei das neue Idol für das jugendfrische Schröder-Deutschland.

Eine glänzende Wahl. Mag der Euro-Pieper Guildo Horn ergreifender singen, Verona Feldbusch süßer lächeln und Giovanni Trapattoni schöner wüten: Münti ist einer wie du und ich, Land und Leuten wie aus dem Gesicht geschnitten. Unvergleichlich, wie der das Haupthaar flott über den oberen Ohrenrand fönt und den Flokati-Scheitel sicher an der Stirn vorbeibugsiert. So repräsentiert er die coole Vermählung der siebziger Jahre mit den Neunzigern: ernst, aber locker, reformorientiert und trotzig ins Gelingen verliebt, dabei immer gut drauf, auch gern mal grundlos. Siehe, alles wird gut - und hoch die Augenbrauen. Deutschland erblüht im neuen Glanze. Mit dem großen Spracherneuerer Trapattoni rufen wir: Genug mit »Flasche leer«, Schluß mit »Struuuntze« - Forza Münti!

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