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Jorge Luis Borges: Essays

aus DER SPIEGEL 7/1999

Die Weltliteratur dieses Jahrhunderts bereicherte Jorge Luis Borges vor allem als Meister klassischer Erzählkunst von vollendeter Ökonomie: Kaum eines seiner Werke, deren deutsche Gesamtausgabe bei Hanser erscheint, umfaßt mehr als 20 Seiten. Die lakonische Eleganz seiner Sprache verdankte der zweisprachig, mit Spanisch und Englisch, aufgewachsene Borges nicht zuletzt dem Vorbild britischer Erzähler. Die Spannweite seiner Prosa ist bipolar. Die universelle Geistesgeschichte bildet den einen Pol, wobei der Autor sich oft spielend über die Genregrenzen von Literatur und Philosophie, Essay und Erzählung hinwegsetzt. Der andere, in Europa manchmal unterschätzte Pol seines Werkes ist die argentinische Geschichte mit ihren wilden und grausamen Zügen. Viele Borges-Helden sterben eines gewaltsamen, stoisch hinge- nommenen Todes. In der Erzählung »Der Süden« etwa wird ein Bibliothekar namens Juan Dahlmann von einem angetrunkenen Gaucho zum Duell provoziert. Sie endet so: »Mit festem Griff packt Dahlmann das Messer, das er vielleicht nicht einmal zu führen wissen wird, und tritt in die Ebene hinaus.«

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