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Gestorben Julie Powell, 49

aus DER SPIEGEL 45/2022
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Kevin Winter / Getty Images

Fast 30 Jahre alt und keine echte Perspektive – Julie Powell war im Jahr 2002 gefrustet und gelangweilt. Sie hatte Theater und Kreatives Schreiben studiert, arbeitete jedoch als Zeitarbeitskraft in einem Büro, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. So konnte es nicht weitergehen, sie beschloss, ein verrücktes Experiment zu starten: Innerhalb eines Jahres wollte sie alle 524 Rezepte der amerikanischen Kochbibel »Französisch kochen« ausprobieren. Der Wälzer stammt von Julia Child, die in den Sechzigern eine populäre TV-Kochshow leitete. Powell liebte es schon als Kind, im Mittelpunkt zu stehen. Also inszenierte sie das Ganze als Wettkampf gegen sich selbst und schrieb darüber in einem Blog – zu einem Zeitpunkt, als diese Art Plattform gerade erst entdeckt wurde. Heute gilt sie als Pionierin unter den Foodbloggern. Powells selbstironische, witzige Art zu schreiben, gern über die Probleme, die ihr die französische Cuisine bereitete, aber auch über Alltagssorgen einer knapp 30-Jährigen Anfang des 21. Jahrhunderts, bescherten ihr eine wachsende Fangemeinde. Die »New York Times« feierte Powells Blog als »amüsant, respektlos und immer popu­lärer«, ein Buchverlag klopfte an, und mit »Julie & Julia: 365 Tage, 524 Rezepte und 1 winzige Küche« landete Powell einen Bestseller, sodass ihre Geschichte endgültig hollywoodtauglich war. 2009 kam »Julie & Julia« in die Kinos, mit Amy Adams als Powell und Meryl Streep als Starköchin Julia Child. Julie Powell starb am 26. Oktober in Olivebridge, New York, an Herzstillstand.

ks
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