Fotografin und Schauspielerin June Newton ist tot

Sie war mit dem Fotografie-Weltstar Helmut Newton verheiratet, aber eine Künstlerin eigenen Ranges: Unter dem Künstlernamen Alice Springs fotografierte June Newton Prominente. Sie wurde 97 Jahre alt.
Nichts am Gegenüber ändern: Die Fotografin June Newton wurde 97 Jahre alt

Nichts am Gegenüber ändern: Die Fotografin June Newton wurde 97 Jahre alt

Foto: Adam Berry / Getty Images

Ja, sie war auch die Frau, Muse und Managerin von Fotolegende Helmut Newton. Unter dem Künstlernamen Alice Springs aber machte June Newton eine eigene Karriere als Fotografin und Porträtistin der Großen und Schönen dieser Welt. Mit 97 Jahren ist die gebürtige Australierin am Freitag in ihrer Wahlheimat Monte Carlo gestorben.

»Wir trauern um eine herausragende Persönlichkeit und eine international anerkannte Fotografin«, hieß es in der Mitteilung der Helmut Newton Foundation, deren Präsidentin sie war. In dieser Funktion habe sie das Museum für Fotografie in Berlin zu einem »einzigartigen Platz für Fotografie« gemacht. »Wir werden sie sehr vermissen.«

June Newton 1962 – fotografiert von ihrem Mann Helmut.

June Newton 1962 – fotografiert von ihrem Mann Helmut.

Foto: Stephanie Pilick / picture alliance / dpa

Mit 24 Jahren hatte sie, damals noch als June Browne und erfolgreiche Schauspielerin, in ihrer Geburtsstadt Melbourne einen jungen Fotografen kennengelernt, der vor den Nazis aus Deutschland geflohen war. Ein Jahr später heiratete das Paar und blieb fast 60 Jahre zusammen. 2004 starb Helmut Newton mit 83 Jahren nach einem Verkehrsunfall mit seinem Cadillac in Los Angeles.

Mit eigenen Fotoarbeiten begann sie erst 1970. Sie wohnten inzwischen in Paris, Helmut Newton hatte Grippe. Für den anstehenden Werbeauftrag einer französischen Zigarettenfirma ließ sie sich Kamera und Einstellungen erklären – und legte statt seiner los.

Ihren Künstlernamen Alice Springs fand sie eigenen Angaben zufolge, indem sie mit geschlossenen Augen eine Stecknadel auf eine australische Landkarte fallen ließ. Ihr Mann habe lieber gewollt, dass sie unter einem Pseudonym arbeite, sagte sie. Ihre Lebenserinnerungen nannte sie später gleichwohl »Mrs. Newton«.

Die Liste ihrer künstlerischen Porträts liest sich wie ein Who's who der internationalen Kulturszene durch die Jahrzehnte – von Yves Saint Laurent und Karl Lagerfeld über Billy Wilder, Catherine Deneuve und Nicole Kidman bis zu Madonna und den Hells Angels.

1978 hatte sie in Amsterdam ihre erste Einzelausstellung, 1983 folgte der erste eigene Bildband. Daneben begleitete sie regelmäßig auch die Arbeit ihres Mannes mit der Kamera und betreute seine Bücher und Kataloge als künstlerische Direktorin.

Während Helmut Newton seine Fotos oft dramatisch inszenierte, setzte sie auf den direkten Zugang zu ihren Figuren. »Ich habe mich jeweils bemüht, nichts an meinem Gegenüber zu verändern und seine Gedanken von der Tatsache abzulenken, dass es sich vor der Kamera befand«, sagte sie 2010.

Nach dem Tod ihres Mannes gründet sie 2004 eine nach ihm benannte Stiftung in Berlin. Zum zehnjährigen Bestehen zeigte die Witwe nochmals die legendäre Ausstellung »Us and Them«, die 1998 unter diesem Titel auch als Bildband erschien. Das Paar dokumentiert darin in beispielloser Offenheit sein privates und berufliches Zusammenleben.

Warum es so wenig Frauen in der kommerziellen Fotografie gibt, wurde sie einmal gefragt. »Ja, es gab und gibt ziemlich wenig Frauen in diesem Geschäft«, antwortet sie. »Aber die meisten sind verdammt gut gewesen.«

kae/dpa
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