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»Jungmannen« und ihre Kinder

aus DER SPIEGEL 32/1996

»Mit dem Projekt Napolas sind ... die Ideen von Zucht, Reinheit und Selektion verbunden, die negativ an der Rampe von Auschwitz vollstreckt wurden.« Soviel steht schon fest, jedenfalls für die psychohistorisierenden Autoren der Studie über »das Erbe« der nationalpolitischen Erziehungsanstalten ("Napola"), auf denen die NS-Elite herangezogen werden sollte.

Das Team wollte herausfinden, was aus den »Jungmannen« geworden ist, die dem Drill und der Indoktrination an jenen 33 Kaderschmieden ausgesetzt waren; wie sie damals tickten und wie die Napola-Väter heute denken und fühlen und ob sie den NS-Wahn, der ihnen eingetrichtert worden ist, auf Kind und Kindeskind übertragen haben - sogenannte Generationsgeschichte.

Zu diesem Zweck führten die Charakterforscher 40 Interviews, nur 10 werden in ihrem Buch vorgelegt. Ein ausgesprochen mageres Sample, um so bemühter die psychoanalytische Methode, jedes Wort der Interviewten für die Prämissen der Interviewer auszuquetschen. Ergiebiger ist dagegen der Versuch, das Innenleben der Napola auszuleuchten, wobei allerdings nicht ausreichend zwischen NS-Aufzuchtsplänen und deren Umsetzung in den Alltag der 10- bis 18jährigen unterschieden wird.

Bilanz, von den Autoren selbst gezogen: »Dieses Buch verdient ... keinen anderen Schluß als einen, der so offen bleibt wie die Geschichte, der wir uns in einzelnen Lebensgeschichten zu nähern versucht haben.«

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