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Bücher K. o. durch Karriere

Herbert Heckmann: »Der große Knockout in sieben Runden«. Hanser; 336 Seiten; 24,80 Mark.
aus DER SPIEGEL 42/1972

Der neue Roman, den Herbert Heckmann, 42, nach zehnjähriger Enthaltsamkeit in diesem Genre jetzt veröffentlicht hat, sollte mehr werden als bloß der neue Roman von Herbert Heckmann, nämlich eine Rückkehr zum »verleumdeten Realismus«, zu einer Literatur, »die auch diese Wirklichkeit kratzt«.

»Der große Knockout« ist die Geschichte eines jungen Deutschen, der. ein Vierteljahrhundert nach Kriegsende. ins einst gelobte Land, die USA, auswandert. Er ist anstellig und anpassungswillig« und doch hat schließlich nicht er den Erfolg, sondern dieser ihn. Er gehört zu den Leuten, die immer auf die Füße fallen und es irgendwann geschafft haben werden.

Für seinen Autor jedoch ist alles, was er seinem neuen Simplicius zustoßen läßt, eine Wendung zum Schlechteren. Und der Moment, da er ganz oben ankommt und, Muster eines Karrieristen, auch noch ein Mädchen ehelicht, von dem nichts weiter zu sagen ist, als daß es einen superreichen Vater hat -- dieser Moment ist zugleich der des großen Knockout, des totalen Identitätsverlustes.

Heckmann nämlich, der Abendländer aus Frankfurt (Main), glaubt offenbar noch an das Individuum: »Die Karriere ist es, die für ihn das Aus als Individuum bedeutet.« Ort dieser Karriere ist eine US-Spielzeugfabrik, die auf billigstes Kriegsspielzeug und auf beinahe lebensechte Puppen spezialisiert ist -- darunter »Adam & Eva«, die zum Zwecke sexueller Aufklärung weißer Mittelstandskinder die entsprechenden Bewegungen ausführen. Man sieht: Der Verfasser möchte sich auch ein bißchen als Satiriker verstanden wissen.

Echte Satire will ihren Gegenstand, ein Stück Wirklichkeit, tödlich treffen. Diese jedoch kratzt nicht einmal, nichts und niemanden.

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