Bild der Woche Charles geht nach Amerika

Wenn zwei sich streiten... freut sich der Thronfolger. Warum Prinz Charles Präsident der USA werden sollte...

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Also jetzt mal ehrlich: Es nervt! Wir wollen endlich den neuen US-Präsidenten sehen, verdammt noch mal. Wir sind es schließlich nicht gewohnt, von Amerika hängen gelassen zu werden. Das verunsichert, bringt die Weltordnung ins Ungleichgewicht, und so was schätzen wir Deutschen ja nun gar nicht. Zumal auch noch klar auf der Hand liegt, dass in Florida vom Bush-Clan gevetternwirtschaftet wurde, und zwar nicht zu knapp. Darauf können wir von Spendenaffäre und DFB Geplagten erst recht nicht. Abhilfe im quälenden Krampf um die Auszählung der letzten Stimmen muss her, und zwar schnell.

Ladies and Gentlemen: The President of the United Colonies of America... oder so ähnlich
DPA

Ladies and Gentlemen: The President of the United Colonies of America... oder so ähnlich

Doch die ist noch längst nicht in Sicht. Selbst die höchste Verfassungsinstanz der USA, eigentlich nicht umsonst Supreme Court genannt, verfällt in Verwirrung. Der Schock sitzt tief, die Instanzen sind gelähmt, die Anarchie steht schon an der mexikanischen Grenze, und auch in den Schurkenstaaten reibt man sich bereits die Hände. Nach Vietnam, Water-, Iran- und Monicagate sind die USA schon wieder völlig vergattert. Was tun?

Auf Altbewährtes zurückgreifen natürlich. Wir Europäer sollten uns endlich aus der amerikahörigen Lethargie lösen und den verirrten, unvereinigten Staaten zeigen, wo das Zepter hängt. Einmal Kolonie, immer Kolonie, heißt die Devise, und schon wird die gute alte Königin Elizabeth II. flottgemacht und über den großen Teich geschickt. Statt im Buckingham Palast wird dann eben im Weißen Haus Hof gehalten, das war bei den Kennedys schließlich auch schon so. Gute Idee... auf Adel, Glamour und Intrigen waren die Neue-Welt-Bürger sowieso schon immer neidisch. Allerdings kennen sich die Monarchen aus alter Tradition auch bestens mit der Vetternwirtschaft aus, aber das nur nebenbei.

Viel besser noch: Warum nicht Prinz Charles auf den neuen Thron des amerikanischen Kolonialverwalters setzen? Der ewige Thronfolger ist immerhin chronisch unterbeschäftigt, der Queen ohnehin nur im Weg und outete sich unlängst gar als Fan von Britney Spears. Die quietschfidele Popsängerin erinnere ihn an eine jugendliche Ausgabe seines "Rottweilers" Camilla, meinte er. Brrrr... Aber wenigstens keine Berührungsängste gegenüber amerikanischer Kultur. Der "Guardian" regte zudem neulich an, der segelohrige Prinz solle doch vielleicht eine Farbige ehelichen, sozusagen als Signal für die multikulturelle Offenheit der Royals.

Perfekt! Charles geht also nach Amerika, darf dort ein bisschen regieren und heiratet in einem weltweit übertragenen, medienwirksamen Spektakel die allseits beliebte TV-Diva Oprah Winfrey. Das wünschen sich vermutlich mindestens 90 Prozent der politikmüden Amerikaner, so dass der Verlust der Demokratie gar nicht weiter auffallen dürfte. Bush und Gore dürfen sich derweil weiter streiten - allerdings nicht mehr um die Weltmacht, sondern mit Tony Blair um den Posten des Premierministers...



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