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Kunst Käse statt Askese

aus DER SPIEGEL 22/1996

Die Motive sind alltäglich, aber »es liegt dieser Glanz auf ihnen, diese bestimmte Farbigkeit«. Wenn die kalifornische Künstlerin Lisa Anne Auerbach, 28, Erdbeeren, Kaffee und Saft vor der Kamera anrichtet oder auch nur ihre hellblaue Lederjacke abfotografiert, dann hat sie es »nicht unbedingt auf häßliche, schmutzige Bilder« abgesehen: Augenschmaus ist willkommen. Und ähnlich geht es einer ganzen Reihe rund 30jähriger Fotografen, Videofilmer und Maler beiderlei Geschlechts. Wird die Kunst wieder schön? Das fragt sich, leicht verstört, Stephan Schmidt-Wulffen, Direktor des Kunstvereins in Hamburg, der bislang eher den gesellschaftsrelevanten Übungen asketischer Zeitgenossen nachforschte. In seiner Ausstellung »wunderbar« (bis 11. August) belegen nun 22 amerikanische und europäische Teilnehmer den Trend zu Subjektivität und entspannter Ästhetik. Iris Andraschek taucht den Schausaal mittels Fensterverkleidung in rosa Licht, Elizabeth Peyton hat sich den Oasis-Sänger Liam Gallagher als schimmernde Ikone gemalt, Jessica Bronson läßt Kinofilm-Sequenzen und Video-Aufnahmen aus dem Supermarkt »cheesy« ineinanderfließen. Schmidt-Wulffen freilich warnt vor allzu naivem Genuß: Die neue Schönheit sei »second hand, von Gebrauch gezeichnet, von Erinnerungen verzerrt«.

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