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Hohenzollern-Kaiser Wilhelm I. in Berlin Die ungeliebte Hauptstadt

Das Verhältnis der Hohenzollern zu Berlin war tief gestört: Im Zentrum des Reiches zeigten sich alle Widersprüche des Wilhelminismus.
Von Rainer Traub
aus SPIEGEL Geschichte 2/2011
Stadtschloss und Kurfürstenbrücke in Berlin (ca. 1899)

Stadtschloss und Kurfürstenbrücke in Berlin (ca. 1899)

Foto: imageBROKER/ picture alliance

Dieser Text gehört zur Reihe "Bestseller von SPIEGEL+", er ist zuerst erschienen in SPIEGEL Geschichte 2/2011.

An einem strahlenden Sonntag, es ist der 16. Juni 1871, erlebt Berlin die größte Militärparade seiner Geschichte. 40.000 marschierende Soldaten feiern in der frisch gekürten deutschen Hauptstadt den Sieg über den Erzfeind Frankreich und das neue, von den Hohenzollern beherrschte Deutsche Reich.

Bei dessen Ausrufung in Versailles hat König Wilhelm I. ein halbes Jahr zuvor nur widerwillig den Titel eines Deutschen Kaisers akzeptiert; er befürchtete, im Großstaat werde sein Stammland Preußen an Bedeutung verlieren. Nun aber reitet der betagte Monarch mit seinen Generälen und Kanzler Otto von Bismarck, den er als politischen Vater des Sieges zum Fürsten ernannt hat, an der Spitze des Triumphzuges. Die Berliner bestaunen diesen Kaiser, der trotz seiner 74 Jahre stramm im Sattel sitzt.

Dabei tut sich der oberste Hohenzoller nicht nur schwer mit der Idee einer Nation, die größer sein soll als das glorreiche Preußen. Erst recht geht es ihm gegen den Strich, dass ausgerechnet Berlin sich nun als Hauptstadt des neuen Reiches in Pose wirft - zu den pompösen Kulissen des Jubels gehört ein 20 Meter hohes Standbild der städtischen Schutzgöttin Berolina. Wilhelm hat den Berlinern ihren demokratischen Aufstand von 1848 nie verziehen. Er hatte ihn mit Kanonen niederschießen wollen, musste dann aber nach England flüchten.

Auch der Sieg der monarchischen Reaktion und die seitdem verflossenen Jahrzehnte haben für ihn diese Schmach nicht getilgt. Lebenslang wird er Berlin misstrauen als einer Brutstatt von Unruhe und Rebellion.

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