Diskussionen über »Vogue«-Cover Ist dieses Kamala-Harris-Titelbild »respektlos«?

Pünktlich zur Amtseinführung bringt das US-Modemagazin »Vogue« die künftige Vizepräsidentin Kamala Harris auf den Titel. Doch das Covermotiv sorgt für Ärger: zu lässig, zu weiß, finden Kritiker.
In Converse-Schuhen: Fehlt diesem Kamala-Harris-Porträt die Amtswürde?

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Foto:

Vogue

Die zukünftige Vizepräsidentin Kamala Harris ist auf der Titelseite der amerikanischen »Vogue« zu sehen – eine Ehre, die aus dem politischen Feld bisher nur First Ladies zukam: Michelle Obama war gleich dreimal auf dem Cover, Hillary Clinton grüßte von der Weihnachtsausgabe 1998, und auch Melania Trump konnte man schon auf der »Vogue« sehen, auch wenn damals im Februar 2005 ihr Einzug ins Weiße Haus noch nicht abzusehen war.

Doch das Team der ersten Frau, die von der US-Bevölkerung ins Amt der Vizepräsidentin gewählt wurde, ist offenbar nicht glücklich mit der Titelseite der Februarausgabe von »Vogue«: Dem Vernehmen nach soll das ausgewählte Motiv nicht dasjenige sein, auf das man sich geeinigt habe.

Auf dem Bild, das auf der gedruckten Ausgabe an den Kiosken liegen und den Abonnentinnen und Abonnenten zugeschickt werden wird, ist Harris eher informell gekleidet und trägt Converse-Turnschuhe, in denen sie auch während des Wahlkampfs von Zeit zu Zeit zu sehen war. Der Hintergrund in Pink und Grün ist eine Anspielung auf die Farben ihrer Studentinnenverbindung.

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Sowohl die Nachrichtenagentur Associated Press als auch der Journalist Yashar Ali zitieren Quellen, die an den Gesprächen um das »Vogue«-Cover beteiligt waren. Demnach sei eigentlich ein anderes Motiv, auf dem Harris einen blauen Blazer trägt und deutlich staatstragender wirkt, abgesprochen worden. Das Büro der zukünftigen Vizepräsidentin lehnte jeden offiziellen Kommentar ab.

Die »Vogue«-Redaktion erklärte in einer Mitteilung, man habe sich für das informellere Motiv von Harris für die Titelseite entschieden, weil das Foto ihre »authentische, zugängliche Art« eingefangen habe, die man für ein Markenzeichen der Biden-Harris-Regierung halte.

»Nichts an dem Cover sagt ›Wow!‹«

Doch erste Reaktionen fielen negativ aus. Die Aktivistin Charlotte Clymer betonte , es gehe nicht darum, dass das Foto an sich misslungen sei. Aber es sei weit unter dem gewohnten »Vogue«-Standard. Man habe nicht genug darüber nachgedacht. Das sei »respektlos« gegenüber der zukünftigen Vizepräsidentin.

Die »Washington Post« kommentierte, das Covermotiv sei die Entsprechung dazu, jemanden beim Vornamen zu nennen, ohne dazu eingeladen worden zu sein. Dadurch, dass »Vogue«-Chefin Anna Wintour das informellere Motiv gewählt habe, »hat sie ihr die Rosen geraubt«, die der ersten Vizepräsidentin des Landes zugestanden hätten: »Nichts an dem Cover sagt ›Wow!‹. Und manchmal ist es das, was sich schwarze Frauen wünschen: ein bewunderndes und feierndes ›Wow!‹ für das, was sie erreicht haben.«

Kamala Harris, deren Eltern aus Jamaika und Indien stammen, sei »so hellhäutig wie eine woman of color sein kann«, schrieb eine Nutzerin , »und trotzdem hat ›Vogue‹ ihre Beleuchtung verkackt. Was ist das bloß für ein verwaschenes Debakel von einem Titelbild?« Gegenüber der »New York Post«  wies die »Vogue«-Redaktion Verdächtigungen zurück, man habe Harris' Haut aufgehellt.

In der digitalen Ausgabe werde man beide Cover veröffentlichen, heißt es in dem »Vogue«-Statement weiter, »als Antwort auf den Ernst des historischen Moments und die Rolle, die sie auf dem Weg in die Zukunft unseres Landes zu spielen hat.« Das nun rein digital veröffentlichte Cover zeigt Harris vor goldenem Hintergrund und mit US-Flaggenanstecker am Kragen.

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Beide Kamala-Harris-Covermotive wurden fotografiert von Tyler Mitchell, der mit seiner Aufnahme von Beyoncé 2018 als erster schwarzer Titelfotograf in die lange Geschichte der »Vogue« einging (Lesen Sie hier ein Porträt ). Mitchell selbst bezeichnete das staatstragendere Motiv als »sein« Titelbild in einer Twitter-Botschaft .

Anna Wintour, die langjährige Chefredakteurin der US-»Vogue«, hatte sich im Sommer im Zuge der Black-Lives-Matter-Proteste für verletzende oder intolerante Bilder und Geschichten entschuldigt. Auch habe man in der Vergangenheit zu wenige afroamerikanische Redakteure, Fotografen und Designer beschäftigt.

feb/AP