Attacke gegen US-Vizepräsidentschaftskandidatin "Newsweek" lässt Falschbehauptung über Harris online - mit Anmerkungen

Kamala Harris dürfe gar nicht zur US-Wahl antreten, diese Lüge über die demokratische Vizepräsidentschaftskandidatin durfte ein Gastkommentator in "Newsweek" verbreiten. Nun hat die Chefredakteurin reagiert.
Im Recht und vielleicht auch bald im Amt: Kamala Harris

Im Recht und vielleicht auch bald im Amt: Kamala Harris

Foto: Carolyn Kaster / AP

Das US-Magazin "Newsweek" hat sich für einen Gastkommentar entschuldigt, dessen Autor die Staatsbürgerschaft der demokratischen Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris infrage stellt. Die falsche Behauptung, Harris sei keine US-Bürgerin und dürfe demnach nicht zur Wahl antreten, wird seit einigen Tagen von rechten Trump-Anhängern verbreitet.

"Dieser Beitrag  wird von manchen als Werkzeug benutzt, um Rassismus und Fremdenfeindlichkeit zu befeuern. Dafür entschuldigen wir uns", heißt es in einer Mitteilung der Chefredaktion. Zuvor hatte sie den Kommentar des Juraprofessors John Eastman noch ausführlich verteidigt.

"Wir haben es überhaupt nicht vorhersehen können, auf welche Art der Essay interpretiert, verzerrt und eingesetzt werden könnte", schreiben der verantwortliche Ressortleiter, Josh Hammer, und die Chefredakteurin Nancy Cooper. Ziel des Essays sei es schlicht gewesen, die Definition von "geborener Staatsbürger" ("natural born citizen") zu erörtern. Bei vielen Lesern sei jedoch die Botschaft angekommen, Harris sei keine richtige Amerikanerin.

Und weiter: "Der Gastkommentar war niemals dazu gedacht, die rassistische Lüge des Birtherism zu befeuern oder sich damit gemein zu machen, jene Verschwörungstheorie, die Barack Obama als unrechtmäßig abstempelt. Wir hätten aber das Potenzial und auch die Wahrscheinlichkeit, dass genau dies passiert, erkennen müssen."

Die Stellungnahme endet mit dem Hinweis, der Beitrag werde nicht zurückgenommen und bleibe - versehen mit den Anmerkungen - weiterhin abrufbar.

Verfasser wollte Posten, der an Harris ging

Verfasst hat den Gastbeitrag John Eastman. Der konservative Republikaner argumentiert darin, dass die US-Verfassung kein Geburtsrecht auf Staatsbürgerschaft garantiert. Im US-Rechtssystem passiert dies entweder, wenn ein Mensch in den Vereinigten Staaten geboren wurde - wie Kamala Harris -, oder wenn ein oder beide Elternteile bereits US-Bürger sind oder waren.

Eastman spielt in seinem Text auf die Herkunft von Harris' Eltern an. Ihre Mutter, eine Krebsforscherin, stammte aus Indien, und ihr Vater, ein emeritierter Stanford-Professor, ist Jamaikaner.

Eastman hatte vor zehn Jahren einmal versucht, Generalstaatsanwalt im Bundesstaat Kalifornien zu werden. Er schaffte es allerdings nicht, bei der entsprechenden Wahl 2010 als Spitzenkandidat der Republikaner ins Rennen zu gehen. Stattdessen trat Steve Cooley an. Er unterlag Harris, die das Amt von 2011 bis 2017 innehatte.

"Newsweek" hatte zunächst Eastmans Position verteidigt . Ausgangspunkt seiner Betrachtungen sei "ein lange währender, geheimer Gelehrtenrechtsstreit" über den 14. Zusatzartikel der US-Verfassung. Er habe nicht versucht, "eine rassistische Verschwörungstheorie über Kamala Harris' Kandidatur anzufachen".

Kandidatur rechtens und keinesfalls strittig

Die Behauptung, Harris dürfe nicht zur Wahl antreten, ist allerdings von Grund auf falsch. Harris wurde in Oakland, Kalifornien, geboren. Sie darf Vizepräsidentin und auch Präsidentin werden. Die Angelegenheit ist unter Verfassungsrechtlern auch keinesfalls strittig. Die Kampagne erinnert an Versuche der Rechten, Barack Obamas Wahlkampf zu sabotieren.

Nichtsdestotrotz hatte Trump zuletzt bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus auf Eastmans "Theorie" verwiesen und diesen als einen sehr intelligenten Anwalt bezeichnet.

Teile der "Newsweek"-Redaktion kritisieren die Entscheidung, Eastman mit seiner Falschbehauptung überhaupt zu Wort kommen zu lassen. "Das ist ein brandgefährlicher, rassistischer Meinungsbeitrag, der niemals hätte veröffentlicht werden dürfen", twitterte  etwa Christina Zhao, eine "Newsweek"-Redakteurin aus New York.

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