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PHOTOS Kaputte Schönheit

Der Hamburger Schauspieler Heinz Schubert ("Ekel Alfred") photographiert »mit Leidenschaft« Schaufensterpuppen; ein Bildband zeigt eine Auswahl*.
aus DER SPIEGEL 13/1979

Erst hat ihn Brecht entdeckt, dann die TV-Nation -- und nun auch noch die Kunstwelt?

Heinz Schubert, 53, Schauspieler, der bis 1961 dem Berliner Ensemble angehörte, hernach als »Ekel Alfred« den Westdeutschen an den Nerv ging und nun wieder Film- und Theaterrollen spielt, betreibt seit fünf Jahren ein »Steckenpferd«, das sich »langsam zu einer Manie entwickelt hat": Er photographiert Schaufensterpuppen.

11 000 mal hat »Schubi« seine Objekte, in allen erdenklichen Kostümierun* Heinz Schubert: »Theater im Schaufenster« Mahnert-Lueg Verlag, München; 240 Seiten; 49 Mark.

gen und Positionen, schon abgelichtet. Eine Auswahl von fast 500 Photos erscheint jetzt als Bildband: »Theater im Schaufenster« -- Dokumentation der »absoluten Künstlichkeit einer Puppenwelt«, die zum Zwecke des Konsumanreizes inszeniert ist.

Die Bilder entstanden, stets durch die Glasscheibe »geschossen«, bei zahlreichen, meist nächtlichen Streifzügen durch europäische und New Yorker Einkaufsstraßen. Als »Theater für Passanten«, eine Art stummes Straßentheater für die Vorübergehenden, versteht Schubert seine photographischen Sujets. Die .nachgeahmte' kaputte Schönheit« der Schau-Puppen, »ihre Haltung, ihre Gesten, ihre Choreographie«, ziehen ihn, den Theaterbesessenen, an.

Für Schubert ist das Photographieren eine »Parallele zur Theaterarbeit mit anderen Mitteln«. Der Hamburger Kunstverein zeigte seine Photos in einer Ausstellung (die hernach noch in Holland, Kiel und Hannover zu sehen war). Und auch auf der Kasseler »documenta« 1977 war der Schauspieler-Photograph mit seinen Puppen-Bildern vertreten.

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