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Karl-May-Stiftung: Wo ist das Geld?

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aus DER SPIEGEL 13/1984

Als 1912 der »Winnetou«-Schöpfer Karl May starb, den Ernst Bloch als »einen der besten deutschen Erzähler« pries, hinterließ er in seinem Testament einen Wunsch: Alle weiteren Einkünfte aus seinem Werk sollten einer »mildtätigen Stiftung« zukommen. Ein Jahr später rief Karl Mays Witwe Klara diese Stiftung ins Leben und nannte die Adressaten des Testaments: die »in Deutschland wohnenden Schriftsteller, Journalisten und Redakteure«, die in Not geraten sind. Von den so freundlich Bedachten aber hat - wenigstens in den vergangenen 25 Jahren - keiner auch nur einen Pfennig bekommen, obwohl die Stiftung infolge der gigantischen Auflagen der Abenteurer-Romane Millionenbeträge in die Scheuer gefahren haben müßte. Nun aber wird der »Literaturskandal« zur Sprache kommen. Mit einer auf zwei Schreibmaschinenseiten präzisierten »Anfrage« an den Karl-May-Verlag in Bamberg und an die Regierung der DDR (wo der Verlag bis 1959 seinen Sitz hatte) wollen die Literaten Erich Loest und Gerhard Zwerenz klären lassen, wo das Geld der Stiftung geblieben ist. Öffentliche Premiere wird die »Anfrage« Donnerstag dieser Woche in Saarbrücken haben: wenn der Verband deutscher Schriftsteller (VS) zur Wahl seines neuen Vorstands zusammentrifft.

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