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Karl Ove Knausgård Mal aus sich selbst rauskommen

aus DER SPIEGEL 36/2021
Foto: Edmond Terakopian / ddp

Ist ein guter Autor derjenige, der einmal seine Stimme gefunden hat und in dieser immerfort dieselbe Welt deutet – oder derjenige, der mit vielen Stimmen viele verschiedene Welten erforscht? Der Norweger Karl Ove Knaus­gård, 52, hatte definitiv seine Stimme gefunden und sie über die sechs langen Bände oder 4600 Seiten seiner Autofiktionsreihe »Min kamp« (auf Deutsch "Mein Kampf"; aber er ist halt Norweger) ausgebreitet. Er hat sich damit eine weltweite Fangemeinde erschlossen, die nach seinen seitenlangen Beschreibungen darüber, wie der Erzähler beispielsweise einen Ofen anzündet, nahezu süchtig wurden. Der letzte Band von »Min kamp« erschien 2011, seitdem sitzen die Knaus­gårdianer romanmäßig auf dem Trocknen. Und Karl Ove, wie sie ihn zärtlich nennen, gibt ihnen nichts mehr. Er hat sich, wie sich nun herausstellt, erzählerisch maximal von der früheren Selbstbespiegelung entfernt und stattdessen die Knaus­gård-Version eines Stephen-King-Romans geschrieben. »The Morning Star« handelt von einer Reihe von Menschen, deren Leben von einem mysteriösen Stern durcheinandergebracht werden, und erscheint Ende September in den USA, die deutschen Anhänger müssen noch ein bisschen länger warten. Der Autor sagte derweil der Zeitschrift »New York«: »Diesmal habe ich beim Schreiben zuerst versucht, aus mir selber mal herauszukommen. Doch dann merkte ich: Okay, alle Figuren reden immer noch wie ich, denken immer noch wie ich. So wollte ich sie wenigstens als Vehikel nutzen, mal an Orte zu kommen, an die ich sonst nicht gehen würde.« oeh

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