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Biographien Katz und Fledermaus

aus DER SPIEGEL 48/1996

Singen konnte sie schmeichelnd, kokett und artistisch wie keine andere Nachkriegs-Sopranistin. Doch nun zeigt Elisabeth Schwarzkopf, die große alte Dame deutscher Sangeskunst, Talente auf anderem Gebiet: dem Mauern. Ergrimmt über eine britische Biographie, in der penibel der direkte Draht der Diva zum Propagandaministerium dokumentiert wurde (SPIEGEL 3/1996), drang sie per Unterlassungserklärung für die deutsche Fassung auf viele kleine Korrekturen. Die gibt es sowieso: Einträchtig haben Übersetzer Maurus Pacher und Autor Alan Jefferson das Buch, das soeben bei Langen Müller erschienen ist ("Elisabeth Schwarzkopf - Die Biographie«; 400 Seiten; 68 Mark), um neue Details bereichert. Die verlangten Änderungen allerdings übernahmen sie nur, wo Gegenbelege fehlten. Oft fügt Frau Schwarzkopf den offenbar unstimmigen Versionen ihrer Erinnerungen noch eine neue hinzu. So läßt sie nun durch ihren Berliner Anwalt erklären, ihr Berliner Generalintendant habe mit Auftrittsverbot gedroht, falls sie nicht in die Partei eintrete - in einem von mehreren Fragebogen nach dem Krieg war der Nötigende noch ein Ministerialrat aus dem Propagandaministerium gewesen. Gipfel solch bizarren »Katz-und-Maus-Spiels« (Pacher): Silvester 1942 will Frau Schwarzkopf laut Anwalt nicht in Berlin, sondern in Prag als »Fledermaus«-Adele aufgetreten sein - vor einem, das liegt für Jefferson und Pacher auf der Hand, Publikum von vorwiegend deutschen Besatzern.

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