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Museen »Kein Auge wert«

aus DER SPIEGEL 2/1995

SPIEGEL: Sie sind eine Kultfigur der Schwulen und Lesben. Sind Sie von Ihrem Entschluß, Berlin zu verlassen, noch abzubringen?

Mahlsdorf: Nein. Wir haben nach einem brutalen Überfall von Skinheads 1991 beschlossen, daß wir hier nicht mehr bleiben können. Die Männer zielten mit Gaspistolen auf die Augen meiner Mitarbeiterin. Mein Museum ist kein Auge wert.

SPIEGEL: Gerüchten zufolge sollen Sie Ihren Vater, einen Nazi und brutalen Trunkenbold, mit einem Teigrührer erschlagen haben.

Mahlsdorf: Das ist wahr. Ich war damals 15, und wenn ich es nicht getan hätte, dann hätte er meine Mutter erschossen, weil sie sich scheiden lassen wollte.

SPIEGEL: Und warum wollen Sie nun ausgerechnet nach Schweden?

Mahlsdorf: Wir suchten ein Land, in dem ein Mann in Frauenkleidern sich frei bewegen kann.

SPIEGEL: Was wird aus Ihrem Gründerzeit-Museum?

Mahlsdorf: Wir haben es dem Senat für drei Millionen Mark angeboten. Kultursenator Ulrich Roloff-Momin war hier, hat sich aber noch nicht entschieden. Natürlich kann es auch jeder Privatmann kaufen.

SPIEGEL: Was werden Sie in Schweden tun?

Mahlsdorf: Ein neues Gründerzeit-Museum errichten. Der Rote Salon meiner Tante und die Möbel meiner Mutter bilden den Grundstock.

SPIEGEL: Einen Mann nehmen Sie nicht mit nach Schweden?

Mahlsdorf: Nein, mein Freund ist verstorben. Und mir geht es ja wie anderen Frauen in meinem Alter. Männer, auch homosexuelle, gucken immer nach dem jungen Gemüse.

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