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Philosophie Kein Erbarmen mit Idealen

aus DER SPIEGEL 42/1993

Die ewige Suche der Denker nach edlen Ideen, nach dem Wahren, Guten oder Schönen - jetzt ist Schluß damit. Zumindest nach Meinung von Norbert Loacker. In seinem rabiaten Groß-Essay »Idealismus - Analyse einer Verhaltensstörung« (Walter-Verlag, 22,80 DM) stellt der eidgenössische Gymnasiallehrer mit entfesselter Belesenheit alle hehren Ziele unter den Generalverdacht: Wer immer strebend sich bemüht, verliert sich rasch im Bösen. »Das Gehirn setzt immer auf ein Jenseits«, argwöhnt Loacker beim Rundumschlag, und: »Wie der Friede von Ideen, so lebt der Krieg von Idealen.« Nun ja - bloß was tun ohne, zum Beispiel, das »Ideal der Wahrheit«, das »so sinnlos wie nutzlos und freudlos« sein soll? Loacker weiß es auch nicht. Und Erz-Idealist Schiller hätte dem eiligen Utopie-Entsorger lachend erwidert: »Eng ist die Welt, und das Gehirn ist weit.«

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