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Kein guter Dienst

aus DER SPIEGEL 15/1972

Bernd Alois Zimmermann: »Cellokonzert«, »Photoptosis«, »Tratto II«. Dem Andenken des 1970 im Alter von 52 Jahren gestorbenen Kölner Komponisten Bernd Alois Zimmermann hat die einst wählerische »studio-reihe neuer musik« mit der Publikation von drei Spätwerken, die es noch nicht auf Schallplatten gab, keinen guten Dienst erwiesen. »Photoptosis«. eine gänzlich eintönige Klangfarbenkomposition, vom Radio-Symphonie-Orchester Berlin (Dirigent: Hans Zender) gespielt, beginnt zwar verheißungsvoll: Dem Titel entsprechend, der etwa Lichteinfall bedeutet, treten aus diffusem Grau, wie von Spots angestrahlt, einzelne Motive heraus; sie verdichten sich im zart getönten Mittelteil zu einem Geflecht von historischen Reminiszenzen. Doch die über 200 Takte des Schlußcrescendos enden in barem Bombast. Der gleiche Zwang, mit einer breiten Steigerung zu schließen, zerstört den meditativen Grundzug der elektronischen Etüde »Tratto II«. Komplexer angelegt ist nur das vom Kölner Siegfried Palm gespielte »cellokonzert« -- nicht zum Vorteil: Postseriell herausgeputzter Orchesterklang und Kniegeigenromanzen lassen sich schwer zu einer Einheit zusammenfügen. Was bleibt, ist Stückwerk (Wergo WER 60 062; 21 Mark).

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