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Kim Kardashian Falscher Umgang

aus DER SPIEGEL 21/2022
Foto:

Andrew Kelly / REUTERS

Der Reality-TV-Star Kim Kardashian, 41, lebt davon, berühmt zu sein: Weil sie so bekannt ist, bekommt sie Geld dafür, Dinge zu zeigen, die andere kaufen sollen. Damit das so bleibt, muss sie ständig etwas dafür tun. Die Influencerin postet Videos auf Instagram, lässt sich im Bikini für Zeitschriftencover fotografieren und besucht Partys in spektaku­lären Outfits. Das bringt ihr Publicity, und es scheint ihr ziemlich egal zu sein, ob ihr Tun gut oder schlecht aufgenommen wird. So geschehen Anfang des Monats bei der Met Gala, der alljährlichen Ego-Sause für die Modebranche in New York, die im Metropolitan Museum of Art stattfindet. Der Dresscode lautete »Gilded Glamour«, gefragt waren also opulente Outfits, die vom ausgehenden 19. Jahrhundert inspiriert sein sollten. Karda­shian trat in einem hautfarbenen mit 2500 Kristallen besetzten Seidenkleid auf, das nicht nur so aussah wie das Kleid von Marilyn Monroe, das die Schauspielerin 1962 trug. Es war tatsächlich das Original, jenes Kunstwerk, in dem die Monroe ihr unvergessliches Geburtstagsständchen für den damaligen Präsidenten John F. Kennedy sang. Ein Aufschrei ging durch die Modefachwelt – und es war keiner der Freude. Vor allem Historikerinnen, auch Konservatoren, verurteilten Kardashian für ihren Auftritt scharf. Sie hatte das Kleid von einem nicht staatlichen Museum geliehen, das es 2016 für 4,8 Millionen Dollar ersteigert hatte. Jetzt meldete sich auch noch der von der Unesco gegründete Internationale Museumsrat und veröffentlichte neue Richtlinien zum Umgang mit historischen Textilien. Die sollen von niemandem getragen werden, weder von »öffentlichen noch von privaten Personen«, heißt es darin klipp und klar. Das Kleid wird als historisches Artefakt eingestuft, das »unersetzlich« sei: »Falscher Umgang zerstört ein Objekt für immer.« Hinter den Kulissen wurde gemunkelt, dass die Robe für Kardashian zu eng war, sodass der Verschluss offenblieb. Eine weiße Stola verdeckte den Blick auf die Rückseite der geschichtsvergessenen Geschäftsfrau.

ks
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