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BÜCHER / NEU IN DEUTSCHLAND Kind vom Spion

Morris L. West: »Der Turm vor, Babel«. Desch; 364 Seiten; 22 Mark.
aus DER SPIEGEL 23/1968

»Bekomme ich jetzt das Baby, Selim?« bittet die Geliebte des israelischen Geheimagenten in Damaskus, als dieser gerade eine russische Raketenlieferung an die Syrer ausspioniert hat und deshalb guter Laune ist.

So menschlich geht's im Untergrund des Nahost-Konflikts zu, dem der hart und immer wohlmeinend hinter der Zeitgeschichte herschreibende Australier West ("In den Schuhen des Fischers") seinen neuesten Bestseller abgerungen hat -- menschlich (auch der israelische Geheimdienstchef hat sein familiäres Problem), figuren-, schauplätze- und aktionenüberreich, aber auch sentimental, klischeeflach und lähmend umständlich.

Dem Spionageroman könnte seine Seriöstuerei, sein polit-moralisches Räsonieren nachgesehen werden -- sein Manko an Spannung ist unverzeihlich. Zwischen »Weißer Kaffee« und »Schwarzer Kaffee« (Decknamen zweier Untergrundkämpfer) -- zuviel kalter Kaffee.

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