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»Kinetismus« ausgegraben

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aus DER SPIEGEL 46/1986

Der Lehrer empfahl, »die Seele nach außen zu stülpen«, und in ungeheizten Räumen gab er Themen wie »Hitze« sowie warme Farbtöne vor. Das zündete: Die Kunstgewerbeschulklasse von Franz Cizek in Wien wurde zum Brutofen einer emotional vibrierenden modernen Malerei und Graphik, eines Gegenstücks zum italienischen Futurismus. Lange vergessen, nun aber wieder ausgegraben, wird dieser »Wiener Kinetismus« von der Münchner Galerie Pabst vor- und ausgestellt (bis 23. Dezember). Die Schau präsentiert elf Künstler, darunter sechs Frauen, auf einem freilich durch den Einfluß der Wiener Sezession und die praktischen Zwecke der Kunstgewerbeschule eingeengten Weg. Bei den meisten blieb der Kinetismus Episode. Nur für die Hauptfigur der Richtung, Erika Giovanna Klien, wurde er zum Lebens-Stil, den die Künstlerin noch von 1929 an in New York (wo sie 1957 starb) mit bewegten »Propeller«-, »Vogelflug«- und »Spaziergänger«-Bildern fortentwickelte.

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