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Kino-Idole für den Postverkehr

aus DER SPIEGEL 34/1979

Filmliebespaare, die von der Leinwand auf die Postkarte umgestiegen sind, wo ihre schmachtenden Posen noch dauerhafter, weil eingefroren wirken, sind ein Beleg für die Ersatzfunktion der Kino-Liebe, die Ideal und Ansporn zugleich war: Als Abbildung erregendster Film-Zweisamkeit konnte man sie verschicken oder bei sich tragen. Erinnerungsstücke an die starken Gefühle und besonders spannenden Augenblicke überhöhten Lebens, in Zigarren- oder Zeitschriftenläden zu kaufen, ließen dem Zuschauer auch im illusionslosen Alltag zwischen Kino-Besuchen die kleine Fluchtmöglichkeit in verwegene Tagträume. Bis Ende August sind in vier Münchner Kinos alte Filmpostkarten ausgestellt: »Berühmte deutsche Stummfilme« (im Studio Isabella) »Frühe Monumentalfilme« (im Türkendolch), Fritz Langs Stummfilm »Die Nibelungen« (im Studio Solln). 130 Bilder zeigen intime Postkarten-Posen der »Schönsten Liebespaare des Films« (im Rex-Kino). Geschmack und Ideale haben sich seit Stummfilmzeiten gewandelt: Die stattlich-eckigen Kino-Herren mit ihrem glühenden Verführer-Drive wirken 50 Jahre später ein bißchen lächerlich, und die Stummfilm-Heroinen sind hingegossene Wesen, die -- häufig in märchenhaft-exotischer Kulisse -- von ihren schicksalhaften Arnouren überrannt werden.

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