60. Filmfestival Cannes feiert mit Akin, Pamuk, Tarantino

Staraufgebot bei der 60. Ausgabe des Filmfestivals in Cannes: Quentin Tarantino, David Fincher, Wong Kar-wai zeigen ihre neuen Filme, aus Deutschland wurde Fatih Akin mit "Auf der anderen Seite" eingeladen. In der Wettbewerbs-Jury sitzt mit Orhan Pamuk ein veritabler Nobelpreisträger.


Paris - Man wird nur einmal 60, das muss gefeiert werden: Beim 60. Filmfestival von Cannes gehen 22 Filme ins Rennen um die Goldene Palme; die Liste der Regisseure ließt sich zum Teil wie ein Best-Of des wichtigsten europäischen Kino-Festivals. Zu den großen Namen zählen die Palmen-Gewinner Quentin Tarantino, Gus Van Sant und Emir Kusturica. (Komplette Liste der Wettbewerber: siehe unten) Die Filmfestspiele von Cannes beginnen am 16. Mai mit dem neuen Film von "In the Mood for Love"-Regisseur Wong Kar-wai, "My Blueberry Nights". Die Palmen werden am 27. Mai vergeben.

Regisseur Akin: Harte Konkurrenz in Cannes
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Regisseur Akin: Harte Konkurrenz in Cannes

Über die Preisträger entscheidet die Haupt-Jury unter Vorsitz des britischen Regisseurs Stephen Frears ("The Queen"). Wie heute bekannt gegeben wurde, gehört dem Gremium auch der Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk aus der Türkei an. Die übrigen Juroren sind die Schauspielerinnen Maria de Medeiros aus Portugal, Maggie Cheung aus Hongkong, Toni Colette aus Australien und Sarah Polley aus Kanada, der italienische Regisseur Marco Bellocchio, sein mauretanischer Kollege Abdrahmane Sissako sowie der französische Schauspieler Michel Piccoli.

Außer Konkurrenz zeigen zwei Palmen-Gewinner aus den USA ihre neuesten Werke: Steven Soderbergh kommt mit der Krimi-Parodie "Ocean's Thirteen" an die Croisette, Dokumentar-Berserker Michael Moore zeigt seinen neuen Film "Sicko". Der Brite Michael Winterbottom präesentiert ebenfalls außer Konkurrenz seinen neuen Film "A Mighty Heart".

Für das deutsche Kino reist der türkischstämmige Regisseur Fatih Akin mit seinem Drama "Auf der anderen Seite" an die Côte d'Azur. "Ich freue mich riesig über die Nominierung für den Wettbewerb", sagte der 33-jährige Filmemacher der dpa. "Ich bin erst mal da angekommen, wo ich hinwollte. Mal sehen, wohin die Reise noch geht." Sein Film, in dem unter anderem Hanna Schygulla mitspielt, setze sich "in verschiedenen Facetten damit auseinander, was bleibt, wenn Menschen sich unwiderruflich trennen müssen", erklärte der Hamburger, der vor zwei Jahren in der Wettbewerbs-Jury von Cannes saß. Nach "Gegen die Wand" ist "Auf der anderen Seite" der zweite Teil seiner "Liebe, Tod und Teufel"-Trilogie. Der Film erzählt von sechs Menschen, die auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind und erst durch den Tod zusammengeführt werden.

Akin hat mit seinem Drama "Gegen die Wand" 2004 den Goldenen Bären der Filmfestspiele in Berlin und den Europäischen Filmpreis gewonnen. In Cannes hatte er 2005 außer Konkurrenz seinen Musikfilm "Crossing The Bridge" über Istanbul gezeigt.

Ebenfalls im Wettbewerb läuft die ungarisch-französisch-deutsche Koproduktion "The Man from London" von Béla Tarr. Als "Special Presentation" ist die deutsch-französisch-kasachische Koproduktion "Ulzhan" von Volker Schlöndorff zu sehen. Der Film schildert den nahezu schweigsamen Kampf zwischen einem Mann, der sich aufgeben will, und einer Frau, die entschlossen ist, ihn zu retten.

In der Nebensektion "Un Certain Regard" wird Robert Thalheims ("Netto") zweiter Spielfilm "Am Ende kommen Touristen" seine Weltpremiere feiern. Die Produktion erzählt die Geschichte eines jungen Mannes, der nach Auschwitz kommt, um dort seinen Zivildienst zu leisten.

Die Filme im Wettbewerb im Überblick:

"Auf der anderen Seite" von Fatih Akin (Deutschland)
"Une Vieille Maitresse" von Catherine Breillat (Frankreich)
"No Country for Old Men" von Joel und Ethan Coen (USA)
"Zodiac" von David Fincher (USA)
"We Own the Night" von James Gray (USA)
"Les Chansons d'Amour" von Christophe Honore (Frankreich)
"Mogari No Mori" von Naomi Kawase (Japan)
"Breath" von Kim Ki-duk (Südkorea)
"Promise Me This" von Emir Kusturica (Serbien)
"Secret Sunshine" von Lee Chang-dong (Südkorea)
"4 Luni, 3 Saptamini Si 2 Zile" von Cristian Mungiu (Rumänien)
"Tehilim" von Raphael Nadjari (Frankreich)
"Silent Light" von Carlos Reygadas (Mexiko)
"Persepolis" von Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud (Iran/Frankreich)
"Le Scaphandre et le Papillon" von Julian Schnabel (Frankreich)
"Import Export" von Ulrich Seidl (Österreich)
"Alexandra" von Alexandr Sokurow (Russland)
"The Banishment" von Andrei Swyagintsew (Russland)
"Death Proof" von Quentin Tarantino (USA)
"The Man From London" von Béla Tarr (Ungarn)
"Paranoid Park" von Gus Van Sant (USA)
"My Blueberry Nights" von Wong Kar-wai (Hongkong)

bor/dpa/AFP/ddp



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