65. Filmfestspiele von Venedig Goldener Löwe für "The Wrestler"

Als letzter Streifen des Festivals in Venedig war "The Wrestler" am Freitag ins Rennen gegangen und sprintete ganz nach vorne. Der Film des 39-jährigen New Yorker Regisseurs Darren Aronofsky gewann den Goldenen Löwen.


Venedig - Die Rolle eines alternden Wrestling-Stars war dem 55-jährigen Haudegen Mickey Rourke wie auf den Leib geschrieben: Der in die Jahre gekommene Kämpfer will es noch einmal wissen. Er steigt in den Ring und wird geschlagen, getreten und mit Glasscherben und Stacheldraht traktiert. Rourke, der in den Achtzigern als Megastar mit "9 1/2 Wochen" Triumphe feierte, nur um kurz darauf in der Versenkung zu verschwinden, verkörpert in sich selbst genau diese gebrochene Biographie. Vielleicht auch weil er selber seit geraumer Zeit eine Art Dauercomeback feiert ("Sin City", "Domino").

Auch deutsche Erfolge sind zu verzeichnen. So erhielt Regisseur Werner Schroeter, der mit dem Bürgerkriegsmelodram "Nuit de Chien" im Wettbewerb war, von der Jury unter Präsident Wim Wenders einen Spezial-Löwen für sein Gesamtwerk. Die Jury der 65. Mostra ehrte den 63-Jährigen am Samstagabend für dessen "innovatives, kompromissloses und oft provokantes" Werk. Mit dem Sonderpreis der Jury wurde zudem das äthiopische Epos "Teza" von Haile Gerima geehrt, das wie Schroeters Film einen deutschen Produktionsanteil hat.

Der Silberne Löwe für die beste Regie ging an den jungen Russen Alexej German Jr. für "Papiersoldat". Der Filmemacher schildert in seinem dichten Werk mit außerordentlicher Kameraführung und einer frischen, engagierten Darstellertruppe die letzten Vorbereitungen auf den ersten bemannten Weltraumflug.

Als bester Schauspieler wurde der Italiener Silvio Orlando ("Il papà di Giovanna") mit einer "Coppa Volpi" bedacht. Orlando spielt in dem bizarren Familiendrama von Pupi Avati einen Vater, der sich vor seine aus Eifersucht mordende Tochter stellt. Als beste Darstellerin galt der Jury die Französin Dominique Blanc, die in "L'Autre" von Patrick Mario Bernard und Pierre Trividic eine Frau spielt, die mit der von ihr selbst gewählten Trennung nicht klar kommt.

Die beste schauspielerische Nachwuchsleistung sah die Jury des 65. Festivals in der Rolle, die Jennifer Lawrence in dem Streifen "The Burning Plain" des Mexikaners Guillermo Arriaga ablieferte.

Der deutsche Wettbewerbsbeitrag "Jerichow" von Christian Petzold ging leer aus. Aber auch als Favoriten gehandelte Streifen wie Kathryn Bigelows Irak-Kriegsfilm "Hurt Locker", der japanische Animationsfilm "Ponyo on Cliff by the Sea" von Hayao Miyazaki und Jonathan Demmes Familiendrama "Rachel Getting Married" mussten sich dem Votum der Juroren beugen, die andere Filme bevorzugten.

Insgesamt waren drei deutsche Koproduktionen unter den 21 Wettbewerbsfilmen. Den bisher letzten "deutschen Löwen" gab es 1982 für "Der Stand der Dinge" von Wim Wenders. Das Filmfest in Venedig gilt neben Berlin und Cannes als das weltweit wichtigste Festival.

cjp/AFP/dpa



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