9/11-Film Premiere ohne irakischen Schauspieler

Jetzt ist es endgültig zu spät: Der irakische Schauspieler Lewis Alsamari fehlt bei der Premiere des Films "United 93". Er hat bis zuletzt kein US-Visum bekommen, um bei dem Start des Films über den 11. September in New York dabei zu sein.

New York - Noch wenige Stunden vor der Weltpremiere des ersten Hollywood-Films über den 11. September gab es kein Einreisevisum der US-Behörden für den irakischen Schauspieler Lewis Alsamari.

Alsamari, der 1995 aus dem Irak flüchtete und seitdem in Großbritannien lebt, spielt in "United 93" Saeed Alghamdi, den Anführer der vier al-Qaida-Terroristen an Bord der entführten Maschine. Das Flugzeug stürzte über einem Feld in Pennsylvania ab, nachdem sich die Passagiere zur Wehr setzten. Die Uraufführung des Films eröffnet heute Abend das Tribeca Film Festival. Alsamari wurde britischen und amerikanischen Medienberichten zufolge die Einreise in die USA verweigert.

Alsamari hatte vermutet, dass die Probleme bei der Ausstellung eines Visums etwas mit seinem Militärdienst in der irakischen Armee zu tun habe, den er Anfang der Neunziger unter dem Regime des Diktators Saddam Hussein absolviert hat.  "Ich glaube, es geht darum, dass ich immer noch irakischer Staatsbürger bin und in der Armee gekämpft habe - aber dazu wurde ich gezwungen", sagte er der britischen Zeitung "Evening Standard".

Für die Dreharbeiten zum Film konnte Alsamari in die USA einreisen. Anders als andere Schauspieler habe er aber nur ein Einmal-Visum bekommen. Nicht bei der Premiere dabei sein zu können, wäre eine große Enttäuschung für ihn, sagte der Schauspieler vor einigen Tagen. Er habe den Film immer noch nicht ganz gesehen.

"Es wäre seltsam, wenn "United 93" nicht das Festival eröffnen würde. Es ist ein sehr direkter, einfacher Film. Aber es ist wichtig, ihn zu sehen, weil es eine Art Playback dessen ist, was passiert ist", sagte Hollywood-Schauspieler Robert De Niro, der Gründer des Filmfestivals gestern bei einer Pressekonferenz.

"United 93" ist nicht der einzige Film über den 11. September, der auf dem Programm des Tribeca Film Festivals steht - noch elf weitere Produktionen zu den Anschlägen werden dort gezeigt. Insgesamt sind bis zum 7. Mai 274 Filme aus 40 Ländern zu sehen. Auch sieben deutsche Produktionen und Co-Produktionen sind in New York dabei, unter anderem das Drama "Der Freie Wille" von Matthias Glasner.

Das Filmfest wurde 2002 von Hollywood-Schauspieler Robert DeNiro und Produzentin Jane Rosenthal ins Leben gerufen, um das Viertel Tribeca in der Nähe des World Trade Centers nach den Terroranschlägen wieder zu beleben.

anr/bor/dpa/rtr

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