SPIEGEL ONLINE

Academy Awards Hollywood zwischen Nostalgie und Diversität

Das Musical "La La Land" ist mit 14 Nominierungen klarer Oscar-Favorit. Aber auch "Moonlight", das Drama über einen jungen homosexuellen Schwarzen könnte abräumen. Deutschland darf auf "Toni Erdmann" hoffen.

Mit vielen Preisen ist die deutsche Tragikomödie "Toni Erdmann" bereits bedacht worden, darunter der Europäische und der Bayerische Filmpreis. Jetzt könnten höchste Hollywood-Ehren hinzukommen: Der Film von Regisseurin Maren Ade ist für einen Oscar als "Bester fremdsprachiger Film" nominiert. Die Preise werden am 26. Februar verliehen.

Das ist die einzige Nominierung für "Toni Erdmann", sowohl in der Kategorie Regie als auch Drehbuch erhielt Maren Ade keine Nominierung. Der letzte deutsche Film, der in dieser Kategorie nominiert wurde, war "Das weiße Band" vom österreichischen Regisseur Michael Haneke im Jahr 2010. Der letzte deutsche Gewinner war Florian Henckel von Donnersmarck. Er holte 2007 mit seinem Film "Das Leben der Anderen" die Trophäe nach Deutschland.

DER SPIEGEL

Wie die US-Filmakademie in Los Angeles bekannt gab, konkurriert die Tragikomödie "Toni Erdmann" mit "Land of Mine" aus Dänemark, dem schwedischen Film "A Man Called Ove", "Tanna" aus Australien und dem iranischen Film "The Salesman".

Noch zwei weitere Deutsche können sich über Nominierungen freuen: Marcel Mettelsiefen ist mit "Watani: My Homeland" in der Kategorie für die beste Kurz-Doku nominiert. Und der Düsseldorfer Hauschka kann für "Lion" auf einen Oscar für die beste Original-Musik hoffen.

Die Chancen auf die meisten Oscar-Trophäen bei der Verleihung der weltweit wichtigsten Filmpreise in Los Angeles hat "La La Land" mit Emma Stone und Ryan Gosling. Das Hollywood-Musical hat insgesamt 14 Nominierungen vorzuweisen. Ebenfalls vorne mit dabei ist das Drama "Moonlight", das in acht Kategorien eine Chance hat. Darunter die Preise für den besten Film und den besten Regisseur.

In der Kategorie "Bester Film" können neben "La La Land" und "Moonlight" auch der Science-Fiction-Film "Arrival" auf einen Preis hoffen. Ebenso ''Fences" mit Denzel Washington und Viola Davis, das Kriegsdrama ''Hacksaw Ridge" von Mel Gibson, "Hell or High Water", ''Hidden Figures", "Lion" und "Manchester by the Sea".

Für Mel Gibson bedeutet die Nominierung ein Comeback. Vor zehn Jahren lieferte er mit "Apocalypto" seine letzte Regiearbeit ab. In den folgenden Jahren wurde er wegen einiger rassistischer und antisemitischer Ausbrüche zu einer unerwünschten Person in Hollywood.

Auch eine Premiere gab es: Mit dem von Amazon-Studios produzierten "Manchester by the Sea" ist zum ersten Mal ein Streamingdienst für einen Oscar in der Kategorie "Bester Film" nominiert.

Video: "Manchester by the Sea"

Eine der wenigen Nominierungen für "Jackie", die Geschichte der First Lady Jackie "Jackie" Kennedy Onassis von Regisseur Pablo Larraín, konnte Natalie Portman verbuchen. Sie ist als beste Hauptdarstellerin nominiert. Mit ihr um den Oscar streiten sich: Isabelle Huppert ("Elle"), Ruth Negga ("Lovin"), Emma Stone ("La La Land") und Meryl Streep ("Florence Foster Jenkins").

Für Meryl Streep ist es die insgesamt 20. Nominierung bei den Oscars, ein Rekord. Amy Adams ging für ihre Hauptrolle in "Arrival" hingegen leer aus. Bei den Männern musste Tom Hanks eine Enttäuschung verkraften, für "Sully" wurde er nicht in der Kategorie für den besten Hauptdarsteller nominiert. Und auch der früh in der Saison favorisierte Nate Parker muss eine Enttäuschung verkraften. "Birth Of A Nation", das Sklavendrama des afroamerikanischen Regisseurs und Hauptdarstellers wurde bei den Nominierungen komplett übergangen. Parker war in den letzten Monaten in einen Skandal um einen Vergewaltigungsfall zu Studienzeiten verwickelt.

Fotostrecke

"La La Land": All that Jazz!

Foto: Studiocanal

Bei den männlichen Hauptdarstellern sind im Rennen: Casey Affleck ("Manchester by the Sea"), Andrew Garfield (Hacksaw Ridge), Ryan Gosling ("La La Land"), Viggo Mortensen ("Captain Fantastic") und Denzel Washington ("Fences").

In der Kategorie für den besten Nebendarsteller sind nominiert: Mahershala Ali ("Moonlight"), Jeff Bridges ("Hell or High Water"), Lucas Hedges ("Manchester by the Sea"), Dev Patel ("Lion") und Michael Shannon ("Nocturnal Animals").

Bei den Frauen streiten sich um den Preis für die beste Nebendarstellerin: Viola Davis ("Fences"), Naomie Harris ("Moonligt"), Nicole Kidman ("Lion"), Octavia Spencer ("Hidden Figures") und Michelle Williams ("Manchester by the Sea").

Das Thema Vielfalt hatte bei den Oscars in den vergangenen Jahren für viel Aufregung gesorgt. Der Academy wurde vorgeworfen, schwarze Schauspieler, Drehbuchschreiber und Regisseure nicht ausreichend zu würdigen. Dieses Jahr sind insgesamt sechs schwarze Schauspieler für einen Oscar nominiert - unter anderem Mahershala Ali für "Moonlight", Viola Davis für "Fences" und Octavia Spencer für "Hidden Figures". Auch die acht Nominierungen für "Moonlight", das die homosexuelle Coming-of-Age-Geschichte eines Afroamerikaners erzählt, sind ein gutes Zeichen. Wie ernst es die Academy mit der Vielfalt wirklich meint, wird sich jedoch erst bei der Vergabe der Oscars zeigen.

gia
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.
Merkliste
Speichern Sie Ihre Lieblingsartikel in der persönlichen Merkliste, um sie später zu lesen und einfach wiederzufinden.
Jetzt anmelden
Sie haben noch kein SPIEGEL-Konto? Jetzt registrieren