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Komödie "Jerry Cotton": Trivialkino-Neuaufguss

Foto: 2010 Constantin Film Verleih

Action-Komödie "Jerry Cotton" Wenn Flachwitz cool sein will

Das Unvermeidliche ist geschehen: Mit dem FBI-Agenten "Jerry Cotton" ist ein weiterer Trivialkino-Mythos der Sechziger deutschen Comedy-Fachkräften in die Hände gefallen.
Von Andreas Banaski

Wer von hemdsärmlig-verschmitzten Neuauflagen alter Legenden, die die Selbstparodie ja schon in sich tragen, einfach nicht genug kriegen kann, ist bei Cyrill Boss und Philipp Stennert, Experten des überdeutlichen Humors, wohl in guten Händen. Dachte sich wohl Produzent Christian Becker und ließ das einschlägig beleumundete Regie- und Autoren-Duo ("Neues vom Wixxer", "Die ProSieben Märchenstunde") eine Story zusammenspinnen, die wirkt wie an einem gammeligen Nachmittag mit Hilfe eines Kasten Bieres rausgehauen.

Christiane Paul

Heino Ferch

Christian Ulmen

Das New Yorker FBI, angeführt von der spröden Dienstaufsicht Daryl D. Zanuck (verkniffen: ), ist seinem besten Mann Jerry Cotton (Christian Tramitz) auf den Fersen. Üble Schurken, darunter der einarmige und einäugige Schwabe Klaus Schmidt ( ) und die Ganovenbraut Malena (herrenmagazinerotisch: Penélopes kleine Schwester Mónica Cruz), haben dem tollen Hecht Cotton nämlich zwei Morde angehängt. Nur dessen neuer Partner, die unfähige Nervensäge Phil Decker ( ), hält ihm die Stange. Gemeinsam bringen die beiden Bundespolizisten die Kapitalverbrecher zur Strecke, klären einen lange zurückliegenden Goldbarrenraub auf und beginnen eine wunderbare Freundschaft.

Bemitleidenswert farblos

Nun war der Original-Cotton - der hier nicht parodiert, sondern dem liebevoll action-komödiantisch gedacht werden soll - in Wort (Groschenheftreihe) und Bild (acht minder talentierte Verfilmungen von 1965 bis 1969) selbst im Trashkontext der Sechziger nur zweit- bis drittrangig. Immerhin besaß er aber den Anstand, sich nicht über seine kindliche und kindgebliebene Kundschaft erheben zu wollen. Peinlich dagegen, wie in völliger Verkennung der Realitäten die Macher des neuen, derb gestrickten "Jerry Cotton" durch inflationäre Beanspruchung des Wortes "cool" im Pressematerial ihrem Produkt auf die Schulter klopfen:

Becker: "Im Anzug versprüht Christian Tramitz eine unglaubliche Coolness."
Boss: "Coole Frisur, cooler Anzug, coole Waffe, cooles Auto."
Stennert: "Ein cooler Hardliner mit Stil."
Boss: "Ein männeraffiner Stoff durch all die coolen Typen."
Stennert: "Die Frauen sind wirklich cool."
Ulmen: "Ich helfe Christian Tramitz, extrem cool rüberzukommen."

Statt extrem cool kommt Tramitz aber bemitleidenswert farblos rüber. Ausgerechnet Grobdarsteller Ulmen zieht sich noch am Achtbarsten aus der Affäre, weil er dem bemühten Flachwitz, der hier grassiert, durch eine besonders schamlose Gimpel-Performance die Krone aufsetzt.

Immerhin besser als "Die Supernasen"

Wie ist nun der neue "Jerry Cotton" film- und humorhistorisch einzuordnen? In der Ahnengalerie deutschsprachiger Kumpelkomödien von "Der Mann, der Sherlock Holmes war" (Spitze, mit Hans Albers und Heinz Rühmann) über "Graf Bobby" (ziemlich weit unten, mit Peter Alexander und Gunther Philipp) bis zu den "Supernasen" (Bodensatz, mit Thomas Gottschalk und Mike Krüger) knapp hinter "Graf Bobby".

Um diesen Text dennoch versöhnlich abzuschließen, noch ein Kollegenurteil des Monatsblatts "Cinema" über den "Look des Films": "Jedes Bild wirkt wie komponiert und kann sich mit internationalen Maßstäben messen lassen."

Stimmt sogar irgendwie. Wenn es auch nur die internationalen Maßstäbe sind, die neuere und ähnlich klamaukige US-Serienadaptionen wie "Starsky & Hutch" oder "I Spy" vorgeben. Wer sich in dieser Liga gut aufgehoben fühlt, darf sich schon jetzt auf das nächste Projekt vom "Cotton"-Team freuen: "Dr. Mabuse".