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"Sucker Punch": Wenig an, wenig dran

Foto: Warner Bros.

Action-Spektakel "Sucker Punch" Wir machen's euch platt

Fünf junge Frauen - leichtbekleidet und schwerbewaffnet - kämpfen gegen Zombies und Orks: Der Action-Fantasy-Film "Sucker Punch" des umstrittenen "300"-Regisseurs Zack Snyder ist ein sexistisches, dämliches und lachhaftes Machwerk. Peinlichkeiten werden hier als Provokationen verkauft.

"Es trifft Dich unvorbereitet" - mit diesem suggestiven Slogan wirbt der Verleih für "Sucker Punch" von Zack Snyder. Das ist nicht einmal übertrieben. Zwar ist man schon gewarnt, wenn vollmundig "eine radikale Vision der Realität vom Regisseur von 'Watchmen' und '300'" angekündigt wird. Zumal wohl niemand weiß, was mit der recht sinnfreien Floskel "Vision der Realität" gemeint sein könnte, egal ob selbige nun radikal oder sonst wie daherkommt.

Aber alle Vorsicht bereitet nicht vor auf die Katastrophe, die dann tatsächlich im Kino wartet. "Sucker Punch" ist ein Debakel, für das sich etliche negative Superlative finden ließen. Doch damit wäre dem kläglichen Scheitern schon fast wieder zu viel Bedeutung zugeordnet. Denn immerhin kann wirklich vollendeter Trash noch unterhalten. Doch dieser laut Eigenwerbung "epische Action-Fantasy-Film" ist schlicht ein Ärgernis.

Schwülstig der Anfang, und so geht's auch weiter

Schon die schwülstige Anfangssequenz bereitet dem Betrachter körperliches Unwohlsein: Die zeigt im Stil eines drittklassigen Musikclips, wie die junge Babydoll (Emily Browning) in einem diffusen Sechziger-Jahre-Haushalt nach dem Tod der Mutter vom sadistischen Stiefvater drangsaliert wird. Damit nicht genug, ermordet der Tyrann ihre kleine Schwester und lässt Babydoll als vermeintliche Täterin in eine psychiatrische Anstalt einweisen.

Indem er Missbrauch und Misogynie mal eben als schön-schaurige Horrormomente dahininszeniert und das Ganze mit einer schmierigen Version des Eurythmics-Hits "Sweet Dreams" unterlegt, gibt der geschmacklose Auftakt die weitere Marschrichtung vor. Im erwartungsgemäß perfiden Irrenhaus trifft Babydoll auf die vier Mitpatientinnen Sweet Pea (Abbie Cornish), Rocket (Jena Malone), Blondie (Vanessa Hudgens) und Amber (Jamie Chung). Und sobald er sein Quintett chronisch sparsam bekleideter Damen beisammen hat, zieht Snyder das ganz große weiße Kaninchen aus dem Hut: Mit reichlich Tamtam führt er eine Traumwelt ein, in der die fünf Insassinnen schwerbewaffnet - aber immer noch ohne praktische Oberbekleidung - gegen wahnwitzig viele Schreckgestalten antreten müssen.

Und da Snyder wohl davon ausgeht, dass sein Zielpublikum unter ADHS oder vergleichbaren Aufmerksamkeitsstörungen leidet, erklärt er als Lewis Caroll für Begriffsstutzige alles gleich mehrfach: Die imaginierten Fluchten symbolisieren selbstverständlich die echten Ausbruchsbemühungen der Mädchen, so wie die phantastischen Gegner für ihre realen Peiniger stehen sollen.

Angriff der Wehrmacht-Zombies

Angeleitet werden sie auf ihren Computerspiel-Missionen nachempfundenen Feldzügen gegen Zombies im Wehrmacht-Look, anscheinend aus Mittelerde rübergemachten Orks und weiteren herbeiprogrammierten Heerscharen von einem faltigen Erzählonkel (Scott Glenn), der im schlimmsten Glückskeks-Duktus über Wege zur Freiheit und die Notwendigkeit zu Kämpfen schwadroniert. Beim ersten Ausflug ins martialische Wunderland mag man noch hoffen, dass sich dort vielleicht wirklich noch ein doppelter Boden auftut, unter dem sich etwas Herz, Verstand, Humor, Subtilität und wenigstens eine wirklich originelle Idee verbergen. Doch dort ist gar nichts zu finden, und stattdessen quält sich die simple Mär mit lachhaftem Ernst und unappetitlichem Pathos voran. Und dies bevorzugt in Zeitlupe, was das Elend unnötig verlängert.

Das Produktionsdesign lässt sich dabei am ehesten als gestalterische Diarrhöe beschreiben, bei der wahl- und willenlos alles aus dem Fundus auf der Leinwand landet: Japanische Mangas, das prätentiöse cinema du look der achtziger Jahre und altbackene Pin-up-Phantasien sind nur einige der visuellen Versatzstücke, die sich in dem Kuddelmuddel finden. Die angedrohte Lobotomie, vor der sich Babydoll in der Anstalt retten will, wirkt da fast tröstlich: Lieber Hirn ganz aus, als länger diese Hirnverbranntheiten ertragen.

Ärgerlicher als das Gezeigte ist nur noch dessen nachträgliche Adelung durch feuilletonistische Volten, die man sich leider nur zu gut vorstellen kann: Überbordende Gestaltungswut, postmoderner Bildersturm, größenwahnsinniges Märchen aus der Gamer-Generation - es werden jetzt sicher Fürsprecher mit solchen oder ähnlichen Einschätzungen aufwarten. Und dann werden sie vielleicht in ein paar Jahren "Sucker Punch" zum missverstandenen Meisterwerk des Action-Akteurs Zack Snyder hochjazzen.

Alles gesehen, nichts verstanden

Diese Reflexe gehören zur Kulturkritik und sind unvermeidbar. Gerade deshalb sei hier gesagt: Dieser Film gibt seine Peinlichkeiten als Provokation aus, reduziert in letzter Konsequenz alle weiblichen Figuren auf fremdbestimmte Fetischobjekte, und verkauft diese sexistische Altherren-Weltsicht dann auch noch als postfeministische Ironie. Somit ließe sich die Arbeit Snyders, der pikanterweise erstmals ein eigenes Drehbuch verfilmte, im Fall von "Sucker Punch" auch eher so zusammenfassen: Dieser Regisseur hat alles gesehen, aber nichts verstanden.

Und wer das für einen genialischen Wurf hält, lässt sich auch eine Kloschüssel als Füllhorn andrehen.

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