Actionfilm "Duell der Magier" Bibi Blocksberg im Testosteron-Rausch

Hier wird geprügelt, gehext und demoliert: In Jon Turteltaubs Actionkomödie "Duell der Magier" jagen zwei alte Hexenmeister samt Gehilfen durch New York City. Ein dröhnendes Übermensch-Spektakel, dem leider jeder Zauber abgeht.

Disney Enterprises

Von Ilse Henckel


Schüler Dave, mehr der linkische Typ, stolpert eines Tages in ein New Yorker Antiquitätengeschäft und trifft zwischen verstaubten Kuriositäten und Gerümpel auf den mysteriösen Ladenhüter Balthazar Blake (leicht verwildert: Nicolas Cage). Der ist Magier der alten Schule und entdeckt schnell, dass ausgerechnet Dave der seit etwa tausend Jahren gesuchte Erbe des edlen Merlin sein muss. Eigentlich ein Grund zur Freude, doch als Dave versehentlich eine Art Matrjoschka öffnet, schwallt neben schwarzem Ekelgetier das Böse hervor: in Gestalt von Maxim Horvath (Alfred Molina), Balthazars Nemesis seit dem vorvorigen Millennium.

Balthazar hatte ihn und die Hexe Morgana Le Fay (Alice Krige) einst wegen Verrats und Merlin-Mordes neutralisiert und solange in jene Schachtelpuppe gesperrt, bis Merlins Nachfolger gefunden und bereit wäre, die zerstörerischen dunklen Kräfte der beiden in Schach zu halten. Guter Plan, aber der Junge hat überhaupt keine Lust auf eine Karriere als Zauberer und hält sich aus dem anschließenden Titanenkampf der antiken Todfeinde lieber raus. Um Zeit zu gewinnen und Dave vorerst zu schützten, weiß sich Balthazar nur mit einem effektvollen Bannfluch zu helfen.

Turteltaub zieht sämtliche Hightech-Trick-Register

Ewig hält so etwas aber auch nicht. Zehn Jahre später - Dave (Jay Baruchel) ist als Student der Physik längst mit Examina und romantischen Gefühlen beschäftigt - sieht er sich abermals mit Balthazar Blake und dessen gefährlicher Offenbarung konfrontiert: Weigere er sich diesmal, sein Zauberschicksal zu erfüllen, würden die Böslinge Maxim und Morgana die Menschheit vernichten, raunt Balthazar. Langsam begreift der tapsige Dave, worum es geht und lässt sich im Schnellgang von seinem Mentor zum vorerst wenig begabten Magier und Allesretter umschulen.

111 Minuten lang zieht Illusionist und Regisseur Jon Turteltaub für seine zeitübergreifende Actionkomödie sämtliche Hightech-Trick-Register, doch weder eine stimmige Geschichte noch authentische Figuren aus dem alten Hut. Ähnlichkeiten mit Goethes Gedicht "Der Zauberlehrling" und Walt Disneys hinreißender Zeichentrick-Variante "Fantasia" sind gewollt, wenn auch mit deutlich weniger reizvollem Ergebnis als in den Vorlagen. Auch Anleihen bei "Harry Potter" und vor allem Roger Cormans "Der Rabe - Duell der Zauberer", dessen Horrorstars Vincent Price und Boris Karloff einander 1963 so lustvoll in Grund und Boden verwünschten, verfehlen den munteren Geist des Originals.

Es wird geprügelt, gehext, demoliert, verfolgt

Dafür kracht und knallt und blitzt es heftig im "Duell der Magier", es wird geprügelt, gehext, demoliert, verfolgt - doch welcher Schwarzkünstler rast mit dem Auto durch Manhattan, wenn er fliegen kann? Anfangs wirkt das alles noch rasant und unterhaltsam, doch zunehmend ist der Zauber faul. Das dröhnende Übermensch-Spektakel, der hektische Kampf um Gut, Böse und etwas Liebe hat wenig Charme und entzaubert sich selbst.

Das fanden wohl auch die amerikanischen Zuschauer. Sie verschmähten die 150 Millionen Dollar teure Turteltaub/Bruckheimer/Disney-Produktion weitgehend und wollten lieber " Toy Story 3" sehen. Ganz ohne Turbo-Hokuspokus, aber mit viel mehr Magie.


Duell der Magier. Kinostart: 2.9. Regie: Jon Turteltaub. Mit Nicolas Cage, Alfred Molina, Alice Krige, Jay Baruchel.



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avollmer 02.09.2010
1. Warnhinweis auf dem Plakat?
Macht Cage wieder sein "Sorry Face" mit dem er sich für all den Unbill, der den Protagonisten zustößt, entschuldigt? Vor dieser Mimik müsste ein Symbol auf den Plakaten warnen, "Contains Nic Cage Sorry Face - Consume Carefully".
djangoR 02.09.2010
2. ...
Zitat von avollmerMacht Cage wieder sein "Sorry Face" mit dem er sich für all den Unbill, der den Protagonisten zustößt, entschuldigt? Vor dieser Mimik müsste ein Symbol auf den Plakaten warnen, "Contains Nic Cage Sorry Face - Consume Carefully".
Cage hat mMn nur einen guten Film- Leaving Las Vegas. Alles danach war Murks.
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