Actionfilm "Predators" Im Weltraum ist noch Platz für groben Unfug

Gummimonster mit Wursthaaren und Fangzähnen, die Menschen jagen. Klingt grauenhaft. Macht aber entsetzlichen Spaß: Regisseur Nimród Antal setzt die "Predators"-Saga fort - mit Stilwillen, anspruchsvollen Darstellern und viel Mut zum hirnfreien Schlagabtausch.

20th Century Fox

Was der bunte Schirmchendrink im Urlaub, ist ein Film wie "Predators" im Kinosommer: Eine nicht wirklich geschmackssichere, alberne Angelegenheit, die aber saisonbedingt durchaus unterhalten kann. Denn wenn in der Hitze der Geist erlahmt, lässt man sich gerne von einem lauten Genrekracher den Kopf durchpusten.

Das gelang John McTiernans ursprünglichem "Predator"-Film aus dem Jahr 1987 ganz famos. Der launige Science-Fiction-Schlagabtausch zwischen dem titelgebenden Jäger aus dem Weltraum und seiner menschlichen Beute Arnold Schwarzenegger machte den reichlich hässlichen Predator zu einer Pop-Ikone.

Es folgten das durchwachsene Sequel "Predator 2" (1990), Comic-Serien und Computerspiele sowie zwei unbedeutende "Alien vs. Predator"-Movies. Die von 20th Century Fox verordnete Zweckehe zwischen den beiden Franchise-Monstern geriet dermaßen lieblos, dass mit dem Crossover eigentlich jede Lust auf ein Wiedersehen mit den Außerirdischen verdorben war. Geld wurde natürlich trotz monströser Ideenarmut genug verdient.

Nun sollen es die "Predators" im bedrohlichen Plural richten, verpflichtet wurden dem Stoff unangemessen anspruchsvolle Kreative. Produzent Robert Rodriguez ("Sin City") ist als cleverer Trash-Apologet bekannt, Regisseur Nimród Antal hat neben seinem beeindruckenden Debüt "Kontroll" (2003) die flotte Hitchcock-Hommage "Vacancy" ("Motel", 2007) und den griffigen Thriller "Armored" (2009) vorzuweisen.

Hinzu kommt eine prominente Besetzung, einschließlich der überraschenden Verpflichtung von Charakterdarsteller Adrien Brody als designiertem Actionheld. Neben dem frisch durchtrainierten Brody zählen versierte Schauspieler wie Alica Braga, Topher Grace und Laurence Fishburne zum menschlichen Ensemble einer interstellaren Schnitzeljagd.

Grobes Genrekino, fein gemacht

Die beginnt abrupt mit dem freien Fall der humanen Protagonisten: Abgeworfen über einem fremdem Planeten und ohne Erinnerung an ihre Verschleppung, muss sich eine zusammen gewürfelte Gruppe aus Soldaten, Auftragskillern und sonstwie gewaltgeschulten Einzelgängern in einem Urwaldareal zurechtfinden. Schon bald wird ihnen drastisch vorgeführt, dass es sich um ein Wildreservat handelt, in dem die Trophäen sammelnden Predators zum Halali auf den Homo Sapiens blasen.

Während die technisch hochgerüsteten Weltraumlurche die kleine Zweckgemeinschaft um Söldner Royce (Brody) dezimieren, müssen sich die Gejagten fragen, ob ihren extraterrestrischen Gegnern hier letztlich mehr zu trauen ist als ihren Mitmenschen. So stehen sich im Showdown auch über die Fronten hinweg gewissenloser Darwinismus und solidarisch-ethisches Handeln gegenüber.

Existenzphilosophische Probleme bleiben jedoch eher Randnotizen im Survival-Game von "Predators". Regisseur Antal konzentriert sich auf Schauwerte, was bei diesem hauchdünnen Plot ja auch nahe liegt.

Die Veredelung des B-Stoffs gelingt denn auch über weite Strecken, weil der Film nicht mehr sein will als ein deftiges Genreabenteuer. Fragen nach der Logik des Szenarios verderben da nur die Laune und seien daher jenen Nerds überlassen, die sich in ihrer Freizeit gerne wahnwitzige Hintergrundgeschichten für drei Meter hohe Gummimonster mit Wursthaaren und Fangzähnen ausdenken.

Die sublime Bedrohlichkeit eines mit sexueller Symbolik aufgeladenen "Alien" werden diese rustikalen Rednecks des Alls sowieso nie erreichen. Aber dank der Rückkehr zur bewusst simplen Prämisse des ersten Films, der in Gestalt der außerirdischen Kraftprotze das zynische "survival of the fittest" gegen die vermeintliche Krone der Schöpfung wendete, gewinnt die Figur des Predators wieder an Faszination für den Betrachter.

Sollten die Einspielergebnisse stimmen, kommt mit großer Wahrscheinlichkeit eine weitere Fortsetzung. Die Möglichkeit hierzu hält "Predators" erwartungsgemäß offen, und immerhin löst die Aussicht nach diesem Film nicht mehr das ganz große Gähnen aus: Im Weltraum ist noch Platz genug für gut gemachten, groben Unfug.



insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
Sherman 09.07.2010
1. Get To The Chopper!
So schlecht, wie der erste AvP-Film immer gemacht wird, ist er gar nicht. Bishop aus Alien spielt mit und man erfährt Zusammenhänge zwischen Menschen, Aliens und Predators. Der zweite AvP-Film ist tatsächlich eine Katastrophe. Was ich inhaltlich nicht verstanden habe: Warum fliegt das Beiboot mit dem Predalien an Bord zurück zur Erde, wo die Predators ihren toten Kollegen doch gerade erst von dort aufgesammelt haben und mit dem Mutterschiff auf dem Weg Richtung Heimat sind? Anyway: Get To The Chopper!
nanokain 09.07.2010
2. X
Zitat von ShermanSo schlecht, wie der erste AvP-Film immer gemacht wird, ist er gar nicht. Bishop aus Alien spielt mit und man erfährt Zusammenhänge zwischen Menschen, Aliens und Predators. Der zweite AvP-Film ist tatsächlich eine Katastrophe. Was ich inhaltlich nicht verstanden habe: Warum fliegt das Beiboot mit dem Predalien an Bord zurück zur Erde, wo die Predators ihren toten Kollegen doch gerade erst von dort aufgesammelt haben und mit dem Mutterschiff auf dem Weg Richtung Heimat sind? Anyway: Get To The Chopper!
Das war doch nicht Bishop sondern Weyland, der gründer "der firma" (Weyland-Yutani) die in den alien streifen dann so erpicht auf diesen xenomorphen ist. Bishop ist eine "synthetische person" der eben das aussehen von Weyland gegeben wurde.
brazzo 09.07.2010
3. @
Ich fand den Ersten AVP eigentlich auch gar nicht schlecht. Der Zweite war allerdings wirklich Müll. Aber was ich eigentlich anmerken wollte: Kann bei Spon denn keiner mehr Englisch? Quelle Wiki: "Survival of the Fittest" bedeutet im Sinne der Darwin'schen Evolutionstheorie das Überleben der bestangepassten Individuen. Es bedeutet eben nicht, daß der Stärkere gewinnt. Es kommt von to fit, welches passen bedeutet und hat nichts mit fitness zu tun...
solo13 09.07.2010
4. Die gute alte Zeit...
[QUOTE=HuFu;5835172]"Wenn es blutet, können wir es töten." "Ich habe keine Zeit zu bluten." Oh ja...der original Predator mit Arnie Das waren wirklich noch coole Zeiten...Die Dialoge der Söldner waren einfach klasse. Wenn ich an heutige immer schneller geschnittene, immer synthetisch wirkende Actionfilme denke, kommt Sehnsucht auf. Mittlerweile schaue ich schon lieber Woody Allen Filme anstatt die meisten der heutigen sog. Action Reißer. Muss entweder am ruhigem Schnitt liegen oder an meinem fortschreitendem Alter;o)
Sherman 09.07.2010
5. Ich gebs zu: Weyland wars!
Zitat von nanokainDas war doch nicht Bishop sondern Weyland, der gründer "der firma" (Weyland-Yutani) die in den alien streifen dann so erpicht auf diesen xenomorphen ist. Bishop ist eine "synthetische person" der eben das aussehen von Weyland gegeben wurde.
Ich wollte es nicht zu kompliziert machen. Weyland-Yutani hat er aber nicht gegründet - zur Fusion war er ja schon tot. ;-) Schon gesehen? Arnie kommentiert den Predators-Trailer: http://www.youtube.com/watch?v=dBv4AsGVDxw
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