Actionfilm "Real Steel" Heißes Eisen

Eine Mischung aus Boxerdrama, Science-Fiction und Familienfilm: Das Roboter-Spektakel "Real Steel" mit Hugh Jackman kann eigentlich nicht funktionieren - und tut es dank liebenswerter Maschinen doch.
Actionfilm "Real Steel": Heißes Eisen

Actionfilm "Real Steel": Heißes Eisen

Foto: DreamWorks

Menschen lieben Roboter. Warum ist nicht ganz klar, schließlich sind sie eigentlich nur ein Haufen scharfkantiges Metall, haben weder Seele noch Herz, und insgeheim fürchten wir uns alle davor, dass sie irgendwann die Weltherrschaft an sich reißen. Trotzdem ist die Filmgeschichte voll von liebenswerten, menschenfreundlichen Maschinenwesen: R2-D2 und C-3PO aus dem "Krieg der Sterne"-Universum zum Beispiel, der T-800 aus "Terminator 2" (der plötzlich so nett war, dass man ihm seine Massenmorde aus dem ersten Teil sofort verziehen hat) und natürlich Optimus Prime, der als Anführer der Autobots in mittlerweile drei "Transformers"-Filmen aktiv zur Rettung der Menschheit (vor einer anderen Roboterrasse, zugegeben) beigetragen hat.

Abgesehen von ihrer sympathischen Art und dem Blechgehalt ist diesen Exemplaren vor allem gemein, in einigen der erfolgreichsten Filme aller Zeiten aufgetreten zu sein. Was in Hollywood nur einen Schluss zulässt: Wir brauchen mehr Roboterfilme!

"Rocky" trifft "Transformers"

Ein Automatismus, der auch abstruseren Ideen zu ihrer Realisierung verhilft. So wie dieser hier: In einer nicht so fernen Zukunft, in der die Menschen lieber ferngesteuerten Robotern beim Boxen zusehen als echten Menschen, muss sich ein übellauniger Ex-Boxstar, jetzt erfolgloser Roboter-Coach plötzlich um seinen elfjährigen Sohn kümmern, der auf dem Schrottplatz einen völlig kaputten Kampfroboter entdeckt und diesen dann mit Papas Hilfe zum Superchampion aufzieht. Mit extrem herzerwärmendem Ergebnis! "Rocky" trifft "Transformers" trifft Familienschmalz, sozusagen.

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Actionfilm "Real Steel": Heißes Eisen

Foto: DreamWorks

Das klingt nach einer sehr, sehr unglücklichen Kombination. Wie kann es also sein, dass "Real Steel" von Shawn Levy ("Nachts im Museum") trotzdem so viel Spaß macht? Zunächst einmal hilft es, dass Hugh Jackman den übellaunigen Robotertrainer spielt. Denn Jackman (bekannt vor allem als "Wolverine" von den "X-Men") wirft sich mit so viel Enthusiasmus in die Rolle, dass es einen auch mitreißt, wenn er nur schattenboxend neben dem Ring steht und sein Roboterschützling die wahre Arbeit erledigt. Dem Mann nimmt man alles ab: den fiesen Einzelkämpfer am Anfang des Films, den wackeren Unglücksraben in der Mitte und den Vater des Jahres am Schluss.

Maschinen mit Persönlichkeit

Auch hilfreich: Kinderschauspieler Dakota Goyo als angenehm zurückhaltender Sohnemann, die wackere Evangeline Lilly ("Lost") als obligatorische Frau fürs Leben, und ein Regisseur, der das richtige Maß aus Action, Kitsch und kleinen Späßen findet. Der sich in den Kampfszenen nicht in eine Flut von Sekunden-Schnitten rettet, wie Michael Bay bei seinen "Transformers", sondern der sich Zeit nimmt für die Hau-drauf-Action, so dass man auch sieht, wer wann wen trifft und wie hart.

Aber alle wären sie nichts, wenn ein zentrales Element in "Real Steel" nicht funktionierte. Die Roboter! Sie sind umwerfend. Noisy Boy, der aus Japan eingeflogene Held aus früheren Tagen. Zeus, der allgegenwärtige Mega-Champ, der sie alle plattmacht. Und vor allem Atom, der erst als Sparringspartner von der Müllhalde verlacht wird und es dann doch noch allen zeigt. Sie sind zwar alle nur ferngelenkte Maschinen ohne eigenen Willen, aber sie sind mit so viel Liebe gestaltet und kämpfen auf ihre Art so besonders, dass sie mehr Persönlichkeit entwickeln als alle Charaktere in "Transformers". Einschließlich der Menschen.

"Real Steel" ist filmgewordener grober Unfug. Manchmal gibt es nichts Besseres.


Real Steel. Start: 2.11. Regie: Shawn Levy. Mit Hugh Jackman, Dakota Goyo, Evangeline Lilly.