Actionfilm "S.W.A.T." Liberal war gestern

Schweres Kaliber: Regisseur Clark Johnson veranstaltet mit seinem TV-Serien-Remake "S.W.A.T." einen reaktionären Waffengang. Getarnt als Actionfilm, hochgerüstet mit Stars und Schauwerten.

Von Daniel Haas


"S.W.A.T.", Hauptdarsteller Farrell: Ökonomischer wurde Körperkraft selten verwaltet
Columbia Tristar

"S.W.A.T.", Hauptdarsteller Farrell: Ökonomischer wurde Körperkraft selten verwaltet

Manchmal ist das Richtige, nicht das Richtige zu tun - so das Motto von Captain Hondo (Samuel L. Jackson), dem Chef einer S.W.A.T.-Eliteeinheit. S.W.A.T. steht für Special Weapons and Tactics - Spezialwaffen und -Techniken - und Hondo für die alte Schule der Verbrechensbekämpfung. Das Richtige, sprich das Bürokratische, Gesetzkonforme, ist in seinen Augen oft das Falsche. Wofür hat man all die speziellen Waffen und Techniken eigentlich, wenn nicht für den richtigen, das heißt effektivsten Einsatz?

Regisseur Clark Johnson hat filmgeschichtlich betrachtet vielleicht genau das Richtige getan: Er hat "Cops", eine tendenziell reaktionäre US-Fernsehserie der siebziger Jahre, auf Spielfilmgröße hochgerüstet, mit einer Truppe Stars vollgestopft und zu einer Zeit ins Kino manövriert, da in Amerikas politischem Klima das Wort liberal nicht selten als Schimpfwort gilt. Steve Forrest und Rod Perry, zwei der alten Stars aus "Cops", erweisen konsequenterweise dem Film mit Cameo-Auftritten die Ehre, aber auch ohne sie ließe sich die Law-und-Order-Mentalität dieser Produktion nicht verkennen.

Spezialpolizistin Sanchez (M. Rodriguez): Multikulturelle Truppe
Columbia Tristar

Spezialpolizistin Sanchez (M. Rodriguez): Multikulturelle Truppe

Der Plot ist dementsprechend zugeschnitten: Ein S.W.A.T.-Team soll eine Bank aus Geiselnehmerhand befreien; einer der Cops handelt auf eigene Faust und verwundet beim finalen shootout eine Geisel. Er und sein Partner, der irischstämmige Jim Street (Colin Farrell), werden vor die Wahl gestellt: Degradierung oder Rausschmiss. Gamble, so der vielsagende Name des Querkopfs, geht; Street bleibt. Gamble verdingt sich fürderhin als Gangster und plant die Befreiung von Alex Montel (Olivier Martinez), einem schwerreichen international gesuchten Killer. Der hat 100 Millionen Dollar demjenigen versprochen, der ihn aus der Haft befreit. Unterdessen rekrutiert Captain Hondo sein Team. Ihm gehören an: der mittlerweile rehabilitierte Street, die Latina Chris Sanchez (Michelle Rodriguez), der Afroamerikaner Deke Kay (James Todd Smith alias LL Cool J) und zwei weitere Top-Polizisten.

Man sieht gleich: Eine multikulturelle Truppe soll hier für Recht und Ordnung sorgen, der Bösewicht ist im Übrigen ein kriminell gut aussehender Franzose. Nicht aufgenommen in das Team wird indes ein freundlicher Angelsachse. Das K.O.-Kriterium: Über den bekennenden Vegetarier war sechs Jahre lang keine Beschwerde eingegangen. Mit harter Hand gehen Hondo und Konsorten gegen Verbrecher vor; befreit werden die Straßen von L.A. von Gesindel und die öffentliche Meinung vom Irrglauben, Gesetz und Pressefreiheit seien Errungenschaften, die es zu schützen lohnt. Reporter und auf die Einhaltung von Rechtsvorschriften bedachte Vorgesetzte sind die lästigen Hindernisse für die wahren Kerle. Political correctness betrachten sie als nervtötende Kopfgeburt von Schreibtischtätern, die reif für den Gnadenschuss sind.

Samuel Jackson als S.W.A.T.-Captain Hondo: Political correctness als nervtötende Kopfgeburt
Columbia Tristar

Samuel Jackson als S.W.A.T.-Captain Hondo: Political correctness als nervtötende Kopfgeburt

Keine Gnade hingegen hat "S.W.A.T." mit dem Zuschauer. Er muss das über sich ergehen lassen, was ein amerikanischer Filmwissenschaftler spatial incoherence - räumliche Zusammenhangslosigkeit - im neueren Actionfilm nannte. Auf gut Deutsch: Wer, wo, warum und mit was in die Luft fliegt, lässt sich oft nicht mehr ermitteln. Hauptsache Bombenstimmung und zwischendurch der eine oder andere Star, der einen coolen Spruch absondert.

Letztlich ist es ja auch egal. Der Film soll Soundtrack-CDs verkaufen (mit dabei: Rolling Stones und die üblichen Prügel-Beats von Linkin Park und Apollo 440) verkaufen und Colin Farrell die Möglichkeit geben, gleich in zwei Filmen dieselbe Szene abzunudeln. Auch im nächstes Jahr startenden Thriller "Der Einsatz" sieht man den Jungstar wütend am Sandsack Frust wegprügeln - ökonomischer wurde Körperkraft selten verwaltet. Sehr wirtschaftlich ist übrigens auch die kriminelle Energie des Schurken Montel orientiert: 100 Millionen Dollar für den Befreier, verkündet er vor laufenden Kameras. Wie er vor die geraten ist, bleibt allerdings ebenso offen wie die Frage, ob Regisseur Johnson die Ironie bemerkt hat, die sich hier in seinen Film eingeschlichen hat.

Mehrere Millionen Dollar hat nämlich auch die aktuelle US-Regierung auf die Ergreifung eines Top-Terroristen ausgesetzt, strukturell, so suggeriert der Film, operieren Superschurken und Weltmächte also ähnlich. Aber solche Überlegungen gehören zum ganz und gar unmännlichen Metier der Theoriearbeit - deshalb schell Schluss damit. Halten wir uns lieber an Captain Hondo, der stolz von sich sagen kann, dass sogar FBI und CIA bei ihm trainieren. Wer schon verbal derart die Muskeln spielen lässt, dem sollte man aus dem Weg gehen. Wie diesem Film am besten insgesamt.


S.W.A.T.


USA 2003. Regie: Clark Johnson. Buch: David Ayer, David McKenna. Darsteller: Samuel L. Jackson, Colin Farrell, Michelle Rodriguez, James Todd Smith, Josh Charles, Brian Van Holt. Produktion: Columbia, Original Film, Camelot Pictures, Illusion Entertainment, Chris Lee Productions. Verleih: Columbia TriStar. Länge: 111 Minuten. Start: 4. Dezember 2003



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